P R E S S E
LES SIRÈNES DÈBROUILLARDES - Lena CD
Diese CD ist tatsächlich eine musikalische Offenbarung. Sicherlich nicht für jeden, aber doch für den Liebhaber alter elektronischer Musik. Nennen wir es Vintage Electronics, Minimal Elektronik oder eben Avant-Pop, wie man diesen speziellen Sound Ende der Siebziger Jahre nannte. In dieser Ära liegen auch die Wurzeln des vorliegenden Duos. Denn LSD produzieren den Sound der Zeit ohne knackige Beats, ohne Clubhit- oder Electroclash-Appeal. Einfach puristische Undergroundelektronik, die sich an Liebhaber wendet und von diesen wohl aufgrund ihrer einmaligen Konsequenz begeistert aufgenommen wird. Vocals und Texte sind dabei nur sekundär von Bedeutung - Hier stehen die antiken Maschinen im Vordergrund, hier geht es um verstaubt anmutenden elektronischen New Wave, der trotz seiner Kargheit seltsam eingängig wirkt. Inspiriert wurde "Lena" ganz offensichtlich von JOHN BENDER, CERAMIC HELLO oder VICE VERSA. Wem dies nichts sagen sollte, dem seien noch die ungleich bekannteren WE. vom genetic music-Label, FAD GADGET oder ABSOLUTE BODY CONTROL genannt. Aber ausdrücklich ohne den Hitappeal der beiden Letztgenannten zu besitzen. Überaus kundig gemastert von ANDREAS SIPPEL (früher SECOND DECAY, heute VENDÔME). Fantastisch!
Uwe Marx, GOTHIC No. 68
CASIMIR OPERATOR - Catharsis CD
CASIMIR OPERATOR ist ein mir bisher völlig unbekanntes Projekt aus Deutschland, das nun auf Plastic Frog Records ein erstes Album, dessen 14 Tracks einfach nur durchnummeriert sind.
Die Musik ist anstrengend, im positiven Sinne, irgendwo zwischen Industrial, New Wave, Dark Wave und was weiß ich noch alles.
Mal ist es düster-ambient-krachig. Schwebende Klänge, die doch eine gewisse Lärmigkeit vermitteln und dunkel-grummelnde Stimmen, erinnert hier und da ein bisschen an alte Swans oder deren Nebenprojekt Skin. Auch leichte Foetus-Anklänge lassen sich ausmachen. Teilweise wird es richtig laut – genau dafür ist das Album auch gemastert – und man stellt sich zur Musik einen Film vor, in dem ein Serienkiller durch eine düstere Fabrikhalle zieht und seine nächsten Opfer verfolgt. Zur Abwechslung wird es dann auch wieder normal instrumentiert wavig mit elektronischen Spielereien, wobei die Eldritch/McCoy-Stimme durchgehalten wird.
Insgesamt ein schwer fassbares, spannendes Album, auf das man sich allerdings einlassen muss. Hätte auch gut Anfang der 90er in einer in Deutschland neu erwachten Dark Wave-Szene erscheinen können und dort sicher für Aufsehen gesorgt. Swans treffen auf frühe Sleeping Dogs Wake treffen auf Pink Turns Blue zur „Meta“-Phase trifft auf Experimental-Soundtrack. Ich finde es sehr gut, wenn auch hier und da etwas zu lang und beliebig. Kürzer und knackiger wäre noch besser gewesen. Würde mich freuen, wenn viele Leute dem Album in einer Zeit, in der mutige Alben eher misstrauisch betrachtet werden, eine Chance geben würden. (A.P.)
www.backagain.de , geschrieben von Alexander Pohle, Juni 2010
DEAD CURTIS - An Alternative Place CD
Dass Joy Division der mit Abstand wichtigste Einfluss der deutschen Gruppe DEAD CURTIS ist, dürfte kein Geheimnis sein, angefangen beim Bandnamen über das Cover-Artwork bis hin zur Musik. Das ist aber sicher gewollt und auch gar nicht negativ gemeint, denn wenn man schon Vorbilder hat, sollten es wenigstens die besten sein. Und inzwischen hat sich der Sound auch ein bisschen entwickelt, weg vom puren Epigonentum hin zu insgesamt schön old-school-wavigem Sound. Und da es zurzeit ja nicht gerade die angesagteste Musikrichtung ist, ist es doppelt schön, wenn sich eine Gruppe so klar dazu bekennt.
Der Bass ist teilweise schön curig, die Gitarre glasklar und der Synthetik-Schlagzeug-Sound schön monoton und ohne nervige moderne Einflüsse. Sicher haben auch die frühen Clan Of Xymox ein bisschen Eindruck auf die Musiker gemacht. Aus den 90er Jahren fallen mir als artverwandte Bands The Hall Of Souls und Frozen Autumn ein. Lediglich der etwas dünne Gesang hätte bei der Produktion mehr Pep nötig gehabt und der Gesamt-Sound hätte etwas druckvoller sein dürfen. Aber man sollte nicht vergessen, dass es sich hier um eine komplette Eigenproduktion handelt. Leider wird diese CD nur unter den ganz harten Alt-Wavern für Freude sorgen, während die junge „schwarze Szene“ inzwischen ganz andere Musik hört, aber wer weiß, vielleicht kommt irgendwann mal wieder ein Revival wie Anfang der 90er Jahre, als plötzlich unzählige neue Bands auftauchten, die ihre Wurzeln in den frühen 80ern hatten. DEAD CURTIS ist einfach ein rundum sympathische Old School-Projekt, das Leute zwischen 35 und 45 sicher so manche melancholische Träne verdrücken lassen wird. (A.P.)
www.backagain.de , geschrieben von Alexander Pohle, Juni 2010
CASIMIR OPERATOR - Catharsis CD
CASIMIR OPERATOR
Catharsis
CD | www.plasticfrogrecords.com |59:28 || How, dieser Projektname hat es ja wirklich in sich! - Höhere Mathematik und ich hab echt gar nichts verstanden... Was eine Karthasis ist wußte ich dann wieder! Also ein grundlegend intellektuell angelegtes Debüt von diesem belgieschen Dark Wave / Electro-Projekts hinter dem sich wohl auch nur eine Person verbirgt. Moderne Spielarten mit einem Hang zu klassischen Indie-Songstrukturen wechseln sich ständig mit gnadenlos romatisch/melanchonischen Retro-Wave-Pop ab. Die Songs wirken teilweise von den Sounds her überladen, was man aber auch mit dem vorhandenen Enthusiasmus entschuldigen kann. Andererseits klingen manche Songs extrem kühl und abgeklärt. Besonders abwechslungsreich wird es, wenn durch das Einbinden von Gitarren der Horizont immer wieder förderlich erweitert wird. Die Stilvielfalt ist wohl auch die größte Stärke diese Albums, denn man erkennt das hier ein großes Potential an Kreativität lauert das nach außen drängt. (7)
OX-Fanzine No. 90, geschrieben von Carsten Vollmer
LES SIRÈNES DÈBROUILLARDES - Lena CD
LES SIRÈNES DÉBROUILLARDES
Lena
CD | www.plasticfrogrecords.com | 41:35 || Wenn jemand so passioniert analoge und digitale Synthies der ersten Generation sammelt und nutzt, dürfte es niemanden wundern das dabei viel Minimal und noch mehr Synthie-Pop herauskommt. Ganz klar, hier ist jemand am Werke der mit Leib und Seele tief in den 80ern verwurzelt ist und dort seine komplette musikalische Sozialisation genossen hat. Was das Duo LES SIRÈNES DÉBROUILLARDES macht ist nicht neu oder gar revolutionär, dafür klingt es perfekt und ich wundere mich, dass es nicht schon wesentlich mehr Veröffentlichungen gibt. Vielleicht liegt es dann doch an dem einzigen Manko das es zu vermerken gibt: Es gibt keinen richtigen Gesang um flächendeckender Beachtung zu gelangen, denn die obligatorisch gesprochenen Texte und eingespielten Worte zähle ich nicht mit dazu. Ansonsten kann sich der geneigte Hörer gemütlich zurücklehnen und einen stimmungsvollen und auch stilistisch ausgewogenen Querschnitt durch diese elektronischen Poplandschaften genießen und sich vielleicht so an manches Erlebnis in schon längst nicht mehr existierenen New-Wave-Cafés oder unterkühlten In-Diskotheken erinnern. (8)
OX-Fanzine No. 90, geschrieben von Carsten Vollmer
LES SIRÈNES DÈBROUILLARDES - Lena CD
Die CD „Lena“ war schon eine ganze Weile angekündigt und ist nun endlich erschienen, nachdem es schon eine sehr schöne Single in der Kernkrach-Serie „Hertzschnitt 100“ gegeben hat. Meines Wissens gibt es das Projekt LES SIRENES DÉBROUILLARDES inzwischen nicht mehr, was aber natürlich kein Grund sein sollte, die aufgenommene und durchweg wunderbare Musik nicht zu veröffentlichen. Dabei bewegt sich das Duo musikalisch ganz klar auf 80er Jahre Electro-Wave-Pfaden, wobei einem viele bekannte und weniger bekannte Bands in den Sinn kommen von Trans X über Störung, Liaisons Dangereuses, Nejet Nok und Skanfrom/Television Set bis hin zu Stratis. Eingängigkeit ist mehr als vorhanden, dazu die lieb gewonnene Minimalität, die trotz einer gewissen Monotonie nicht langweilig wird. Das ist natürlich nicht innovativ neu, aber immer wieder gerne gehört und wer liebt nicht all die Ohrwürmer, die uns dieser Musikstil seit Jahrzehnten beschert?
Wie man es kennt, basiert jeder Song auf einer Grundidee, die dann durchgezogen wird und meist mit Effekten und Sounds, gerne im Stile der Soundkulisse alter Arkadenspiele, und mit dezentem Sprechgesang verfeinert, wobei die Stimme (abwechselnd Mann und Frau, gelegentlich auch beide zusammen) meist nicht allzu sehr verfremdet wird.
Ähnlich minimalistisch, wie das musikalische Konzept ist auch das schlicht-schöne Artwork. Das passt alles wunderbar zusammen und nicht zuletzt durch den Projektnamen und gelegentliche französischsprachige Texte könnte man die ganze Veröffentlichung beinahe für eine vergessene Perle aus der französischen Cold Wave-Äre der 80er Jahre halten, nur gänzlich ohne Gitarren. Zugreifen, es lohnt sich. (A.P.)
www.backagain.de , Mai 2010, geschrieben von Alexander Pohle
BRIGADE ROSSE - Entzauberung der Welt CD
BRIGADE ROSSE ist ein neues Minimal Electro-Duo zweier bekannter Musiker, die aber hier anonym agieren möchten. Mit ein wenig detektivischem Gespür kommt man aber schnell hinter deren Identität, was aber letztendlich auch egal ist, denn die Musik und das Konzept sollen bei BRIGADE ROSSE im Vordergrund stehen.
Thematisch beschäftigt man sich nämlich mit dem Großstadtleben inklusive der daraus meist entstehenden Paranoia und dafür werden sogar Texte und Zitate von Berthold Brecht und Ulrike Meinhof herangezogen. Durch die flotten und doch recht kühlen Sounds wird das Leben im Großstadtdschungel zwischen Schlaflosigkeit und Neonlicht sehr anschaulich illustriert, wie beim Gesang auch Parallelen zu westdeutschen Düster Punk-Bands, aber auch KRAFTWERK vorhanden sind. Für eine klare Produktion sorgte übrigens Sven Wolff von der PATENBRIGADE WOLFF, das passende Artwork stellte Volker Neumann (Eternal Soul) und THE RORSCHACH GARDEN steuerten einen Remix bei. Leider ist nach nur 9 Tracks bzw. rund 35 Minuten schon Schluß mit der „Entzauberung der Welt“, jene aber dermaßen dicht ausgefallen, daß ein Repeat unweigerlich ist. Die CD ist über www.plasticfrogrecords.com für nur 10 Euro direkt erhältlich und ein absoluter Tip für Hörer zwischen BAKTERIELLE INFEKTION, WELTKLANG und ECHO WEST. (M.F.)
BLACK MAGAZINE, geschr. von Marco Frieberg, http://www.blackmagazin.com/?p=186#more-186
THE PROXIMATE FORCE - Moon 7" Vinyl
Die Deutschen THE PROXIMATE FORCE haben mal Ende der 80er Jahre eine 12“EP auf dem Label Real Voice Of Underground veröffentlicht, auf dem auch The Eternal Afflict unter ihrem frühen Namen Romantic Affliction ihre ersten Tapes veröffentlicht haben. Der Bandname war mir all die Jahre hindurch ein Begriff, ohne, dass ich bestimmte Musik zuordnen konnte oder gar die Platte in die Finger bekommen hätte. Nun hat Plastic Frog Records eine auf 100 Exemplare limitierte 7“ von THE PROMIMATE FORCE, wobei ich nicht sicher bin, ob die Aufnahmen von damals stammen oder aktuell sind und ob es die Band überhaupt noch gibt. Ist ja auch egal. In jedem Fall KLINGEN die Aufnahmen wie von damals, heißt: eine Mischung aus Gothic, Dark Wave und EBM, entfernt vergleichbar mit Gruppen wie The Fair Sex, The Invincible Spirit oder Dance Or Die und, weniger bekannt, Cradle Of Spoil. Das wäre damals absolut Stoff für die spärlich gesähten Underground Discos gewesen und Anfang der 90er sicher im Zuge des Erfolges vom Zillo-Magazin und Bands wie Project Pitchfork, Das Ich oder eben The Fair Sex zu einem Hit geworden. Ich finde die beiden Songs ziemlich klasse, fürchte aber, die heutige Dark Wave-Szene kann damit wenig anfangen. Deshalb sicher auch das Vinyl-Format und die Limitierung. Einige Sammler dieser Art von Musik gibt es definitiv noch. Weitere (alte?) Aufnahmen sind angekündigt und ich bin mal gespannt, ob die Band rund 25 Jahre nach ihrer Gründung (laut My Space Seite 1985) doch noch mal richtig durchstarten kann. Mich würde es freuen, denn hier haben ein paar Leute die richtigen Einflüsse zusammengebracht und gute Musik für die schwarzen Clubs produziert. Zumindest teilweise sind sie wohl auch immer noch musikalisch aktiv. Feiner Dark Wave für Sammler, ich finds klasse, nicht nur wegen der schönen Form als 7“ Vinyl. (A.P.)
www.backagain.de, von Alexander Pohle März 2010
DEAD CURTIS - An Alternative Place CD
So basically Udo and Klaus were once in a punk band back in the mid-
80’s whose existence was terminated early when all their gear got
nicked, after which they dabbled musically apart, then reunited three
years ago and this is their first album, moving easily over onto some
post-punk solemnity, aided by B. Rotte and Jean Paul (drum machine).
‘The Will’ starts with some monastic pleasantries, then cuts into some
plain but attractive gloom, the vocals bare and tremulous, the rhythm
almost expiring, the guitar a shadow, yet with a charming chorus.
‘Party Girl’ is a punky lament over lost love, and although it’s a bit
tatty, the music rescues the vocals because the song itself has been set
out well, no matter how basic it actually is. Even the drippy guitar is
quite sweet.
‘Never Forget’ is moody indie with a fledgling synth wash. It has a
dignified air, and swirls around gently. ‘Just You And Me’ potters
along quite bravely given they’re not totally there in some aspects, and
sounds like a rough punky nephew of early Cure. ‘Lies’ then buzzes
around guided by the simple guitar impact, along with some quite
alarmingly poor bass but ends up emulating New Order’s delivery.
Odd.
‘Dark Night Of June’ stumbles on with the guitar lithe around a
moping synth and the vocals are all but flat out with dreaminess.
‘Tonight’ opens up a little, with a lusher atmosphere and more
assured, stretching vocals, although the mood retains a dour simplicity
which accentuates a pretty, downcast tune. ‘Deep In Frost’ has a wirier
punk snaking along low to the ground and grows in stature as it
builds, with keyboards adding a piquant twist to ‘Yesterday’s Over’,
with acoustic and violin graciously inflating the relaxing ‘You Kill
Me.’
‘Face The Truth’ is a bleak outing but its melodic sunny side, showing
them at their spryest, ‘Lost Words’ is a cross between a lo-fi Chris
Isaak and Joy Division, believe it nor, with a sleepily sultry air, before
ending with the delicate instrumental ‘Sunset At The Sea’ an unusual
but fitting ending for an album (although a droney punk number
finishes it off as a secret bonus) which will never appeal to people
who require everything nicely polished but those with a hankering for
the honest emotional punky indie it will do just fine. There are some
shaky elements but overall the songs themselves are well thought out
and sensitively handled. With bells on.
THE MICK Online Fanzine No. 50, December 2009
BRIGADE ROSSE - Entzauberung der Welt CD
Het nieuwe jaar begint, voor mij althans, met deze leuke release van Brigade Rosse… Een release die eigenlijk nog in 2009 verscheen maar door het laattijdig bereiken van de gedekte redactietafel (nieuwjaar weet u wel) kon het schijfje niet meer in onze eindejaarslijstje worden opgenomen.
Brigade Rosse, inderdaad naar de fameuze Italiaanse Rode Brigade, is het project van Karl Werner L. Koch (stem) en TANDY TRS80 (muziek) die met ’80 gerelateerde minimale elektronica hun tweede rebelse jeugd beleven, stevig verankerd in de punk, ‘oude’ new wave en premature, analoge ebm. Liefhebbers van dit traag maar gestaag groeiende back to basics fenomeen (Echo West, Bakterielle Infektion, Qek junior, Rorsach Garden,…) zullen vingers en duimen kunnen aflikken bij het kille grootstadgevoel dat van deze Brigade Rosse’s muziek uitgaat al is er her en der tussen staalschroot, plastic en beton ook een plekje om de onvrede met deze samenleving en het klootjesvolk die ze vorm geeft kritisch weg te dansen.
Terug een beetje punk mentaliteit in de scene, het is zo broodnodig en best smakelijk. Een obligatoire must voor de minimal electro liefhebbers en een aanraader voor één ieder met een zweem ’80 nostalgie in lijf en leden… Ik wil deze, alweer puike review (al zeg ik het zelf) eindigen met een citaat op de myspace site van deze jongens om ons het punkgevoel alvast wat eigen te maken…
“Lieber Herr Schäuble, liebes BKA, BND und CIA und wer sonst noch so mitliest, hier ein paar Schlagwörter, die das Erkennen dieser Band als gefährlich leichter für Euch machen: Terror, Mohammed Atta, Osama bin Laden, Roberto Blanco, Anschlag, Taliban, Allah, Barack Obama, Koranschule, Bundestrojaner.”
Kopen die handel!
DARK ENTRIES WEBZINE, http://www.darkentries.be/nl/cds/?cdid=1467
GEISTERFAHRER - Fest der vielen Sinne CD
Thanks to people from Plastic Frog records and
Matthias Schuster, the legendary album of this legendary
band, which initially was out in 1981, is rereleased.
These ones who’re into DNW don’t need
any introductions about this band, but it would be
useful to say for others who don’t know this band: if
you think that the best musical reflection of the German
DADAISM is Einsturzende Neubauten and related
stuff, you should listen to it or to keep up being
in a state of blissful ignorance. Just try to imagine
the combination of punk, experimental music and
records of German DADA poets (like the CD “Dada-
Antidada-Merz” and others), and you’ll get the understanding
of what this release is. Extremely catchy,
driven, artistic and weird.
The album itself originally consisted of 12 tracks,
which I guess could be well described as a savage
and offbeat weird madness and could perfectly fit
any dance of this kind. Music and DADAISTIC destruction
balance over all these tracks; something
can dominate for a while, but nothing wins till the
end. But the album finishes and a listener faces 8
bonus tracks, so more about them. First five are the
band’s unreleased before demos which reflects quite
wide range of Geisterfahrer music, - whereas its start
is more in the mood of “Fest Der Vielen Sinne”, the
further it goes the more weird, DADAISTIC and experimental
it becomes and reminds of more industrial
and poetic frenzy, and finishes with its
culmination, reflected in another re-release, the
three-song “Linientreu”, originally released in 1981
by the side-project of Geisterfahrer members Jurgen
Weiss and Michael Ruff, called Die Schonsten.
In conclusion it should be said that this work is absolutely
brilliant and if you’re into the Art in punk
music, then it’s a 100% “must have” for you. But if
you don’t like too much of weirdness and avantgarde
in music, this release won’t satisfy you.
GRAVE JIBES FANZINE, Pall ‘Nattsol’ Zarutskiy, 2010
GEISTERFAHRER - Schatten voraus CD
Here it is, the reissue of the first Geisterfahrer
album, which initially was out in 1980! “Schatten
Voraus” shows that everything starts from something.
And in this case it’s (post-) punk as the starting
point. The album begins with “Das Ufer”, the
song which at the same time reminds of Joy Division
and Wire and has that “labeled” Geisterfahrer experimental
and weird approach. But going on, this
“greet” to the British wave almost totally vanishes,
taking its place as a brick in the band’s foundation.
The album actually contains all what the early Geisterfahrer
is known and loved by: wave/post-punk
sound, minimalism, unexpected moves, a touch of
electro but only when it’s needed, weird and catchy
tunes (like in “Festkreuze”, “Es tut nicht mehr
weh”), majestic and obsessing Dadaism (“Das Haus”,
“Schatten”), mad experiments (“Wasser”) and many
more. The album also contains six bonus-tracks, but
most of them are closer to drafts by there condition.
And on one hand it’s a real regret, since these songs
could’ve become the great band’s hits, but on the
other, they have that inimitable raw and spontaneous
sense which gives them very specific attraction, and
actually, brilliantly reflect the entire album approach,
which is foremost based on inspiration, spontaneity
and carving for experiments. Comparing the album
with its follower, “Fest Der Vielen Sinne”, there’s
just one thing “Shcatten Voraus” totally lacks for, -
it’s that infectious and intense mad dynamism, which
brings listener into a kind of feverish dadaistic condition
and keeps captured over the entire period of
listening to the music. And there really is the feeling
of this absence.
But generally, even though it’s probably not the best
work to start with making acquaintance with Geisterfahrer,
its songs worth being the songs of this great
band and it’s very unlikely that a one will be disappointed.
Rate: 9/10
Pall ‘Nattsol’ Zarutskiy
‘Grave Jibes Fanzine’, 2010
BRIGADE ROSSE - Entzauberung der Welt CD
Es knistert, und ohne Umschweife setzen analoge Synthesizer ein: Dick bratzende Bass-Synths, hohe, klingelnde Meloeinwürfe, schön minimalistisch und klar, vorsichtig unterlegt von Drummachine-Sounds – Mensch, das ist doch 1980 pur! Solche Visionen werden auch schön reflektiert durchs Booklet, auf dessen Fotos der einsame Korg inmitten abgerockter Fabrikräume steht. Also ein stimmiges Bild. Und dieses wird schließlich abgerundet durch die lakonischen Sprechgesänge, die die Poesie der Endzeit, wie sie 1980 in die Welt stieg, widerspiegeln: Leere Straßen der Nacht, das Neonlicht, die Entfremdung, die Suche, der Mensch inmitten maschineller Entwurzelung, vor den Nachtsilhouetten surreal anmutender Schrottplätze, denen der Korg banal-simple Melodien entgegen spielt, derweil verzerrte Drums moderat klatschen. Selbstverständlich wird auch der Vocoder nicht vergessen. Zwischendurch kulminieren die Szenarien, theatergleiche Stimmeinwürfe künden von Existenzangst und Sinnleere. Die Intention der analogen Nachtwanderung über den schmalen Grat zwischen nostalgischer Retrobegeisterung und parodistischer Attitüde wird nicht aufgelöst. Und so war es auch 1980.
SONIC SEDUCER, Dezember 2009, besprochen von Kym Gnuch
ANTI TRUST - Das System stinkt CD
Immer wieder kurios, wenn Labelmacher ihre Musik eben nicht auf dem eigenen Label, sondern woanders veröffentlichen. So auch im vorliegenden Fall: Heiko Herden, einer der beiden Macher der Minimal-Elektronik/NDW-Spezialisten NLW bringt sein zweites Album lieber auf dem kleineren Plastic Frog-Label heraus. Passt aber gut, schließlich bietet die Band auf dem Longplayer nach „Die Welt ist so schön...“ tollen elektronischen New Wave. Hundertprozentig nach 1983 klingend; ähnlich ausgerichtet wie die derzeit recht populären QEK Junior. Interessant sind auch die Lyrics mit ihrer anachronistisch anmutenden, aber sympathischen Punkattitude. Der textliche Biss wird trotzdem nicht auf die Musik übertragen – diese ist nicht aggressiv, sondern sehr eingängig. Fast poppig. Übrigens: Bis Mitte der Neunziger war man unter dem Namen Evasion On Stake aktiv, Anti Trust zeigt sich viel ambitionierter als das alte Projekt. Herden besitzt einfach viel Talent, was die alten Synthies betrifft. Der Gesang könnte allerdings etwas mutiger, sprich lauter abgemischt, sein.
SONIC SEDUCER 09/2009, besprochen von Uwe Marx
DEAD CURTIS - An Alternative Place CD
Bei dem Bandnamen und dem Albumcover muss ich natürlich unweigerlich an
Ian Curtis denken, und tatsächlich, eine Nähe zu dem ehemaligen JOY DIVISION-Sänger
ist nicht zu leugnen und sogar erwünscht.
Hinter DEAD CURTIS stehen Steven Lonely und K. Rotte. Aus den Resten der
Mönchengladbacher Punkband DRUNKEN COPS hervorgegangen, haben unter anderem
die beiden bereits Mitte der Achtziger Jahre die Band DEAD CURTIS gegründet.
Allerdings nur kurzzeitig, denn nach einem Einbruch im Übungsraum, bei dem mehrere
Instrumente entwendet wurden, ruhte dieses Projeht 18 Jahre lang.
Erst 2004 wurde die CD-R "Aussichtslos" mit alten Aufnahmen veröffentlicht.
In der Zwischenzeit wurden wohl auch wieder irgendwo Instrumente ausgegraben, denn
auf dem Album "An Alternative Place" geht es im authentischen Schlafzimmertempo
und -sound durch 13 Titel, allesamt irgendwo zwischen JOY DIVISION und CURE
einzuordnen. Wer den Herbst mit schleppenden. depressiven Sounds standesgemäß
begrüßen möchte, liegt hier jedenfalls absolut richtig. Selbstverständlich kommen alle
Stücke ohne Drive und einen Funken Humor aus, stattdessen gibt es Schwermut satt. (6)
OX-Fanzine No. 86, geschrieben von Kay Werner
DEAD CURTIS - An Alternative Place CD
Vergessen Sie Vergleiche mit Joy Division, Velvet Underground, Jesus & Mary Chain! Nein, Painless Dirties, Beauty Contest, Leningrad Sandwich standen hier Pate. Diese 13 (sic!) Lieder haben es in sich, da sie "für gern Unterproduziert und unterinstrumentiert sind", so dass die Message erst recht rüberkommt. Denn sie habens drauf: Ausstrahlung, Authentizität, Eigenständigkeit, Originalität 1. Klasse! Das ist nicht Gothik, das ist DEAD CURTIS. Jeder Song mit DEM Riff, mit DER Stimme, mit DER unbeeindruckbaren Rhythmuslinie. DIE Stimme mit dem dunklen Teint ist so eindringlich, dass dies psychedelisch ist: "I'm falling in love..." - bewegend, berührend, becurtisend! Getragen=erhebend. Eine von vielen Sensationen: "Never forget", ätherisch repetitive Stimme aus der Grenze Diesseits zu Jenseints, welch ein Trip! Und: Garantiert mönchsfrei! WERBESLOGAN: "Einzige Band der Stilrichtung Minimalismusdarkmusik".
Jochen König
DAS DOSIERTE LEBEN No. 65, Rehzension, http://www.das-dosierte-leben.de/
ANTI TRUST - Das System stinkt CD
Mit tragenden Flächensündensizerwellen wird die Erdballwelle oben überholt und auf derart produzierter 3-d-Klang-Matrix werden in ausdrucksstarker Stimme hyperkritische Texte platziert. "Ich habe nicht sehr gut auf mich geachtet, es ist Glaube, es ist Spaß, es ist Kälte, es ist Gas..." /"Feuer ist so heiß, Eis ist so kalt". Sehr ausdrucksstark, sehr gediegen, sehr erhaben. Dies trifft oft den Puls der Zeit in einem und verstärkt vorhandene Melancholische und sentimentale Stimmungen.
DAS DOSIERTE LEBEN No. 65, Rehzension, http://www.das-dosierte-leben.de/
KARMA F.I.S.T. - Monitor EP-CD
Krautrockaffine Partituren plus EBM-moderner Gesang gehen hier eine heilvolle Allianz ein, die seltsam aufgeräumt wirkt und gerade dadurch ihre Wirkung nicht verfehlt. In "Hell" wird dies sogar durch eine Telefonstimme vor peitschenden Instrumentpassagen superisiert.
DAS DOSIERTE LEBEN No. 65, Rehzension, http://www.das-dosierte-leben.de/
DEAD CURTIS - An Alternative Place CD
Met een dergelijke groepsnaam kun je geen goedkope dansvoer spelen. Nomen est omen… dus ergens had ik het gevoel dat ik deze Dead Curtis wel ging smaken. Mooi digipak hoesje ook, dat zoals het hoort de sfeer van het album vangt. Dead Curtis, RIP Ian. Ooit begonnen in 1986 als de punkband The Drunken Cops (om al even gauw te splitten in 1987) ontmoetten de heren Udo en Claus elkaar in 2006 opnieuw en besluiten, exact 10 jaar later dus, om weer samen muziek te maken. Van punk, naar post punk. Naar gitaar wave, indie rock en flarden cold wave zoals als dat in de gezegende jaren ‘80 hip en trendy was. Veeleer dan de soms pijnlijke existentiële wanhoop van Joy Division horen we hier een melancholische sound die een donker doch sfeervol album zonder commerciële bijbedoelingen op tafel gooit. Sommigen zullen dit allicht te ‘zagerig’ of te weinig opwindend vinden, doch deze Dead Curtis heeft beslist andere noten op zijn zang. Die van goudeerlijke gitaar wave zonder scrupules of goedkope arrogantie, en af en toe zelfs nummers die ook op een fuif moeten kunnen. Zwaarmoedig zegt u? Ja, maar ook neen, want Dead Curtis laat voldoende ademruimte om te genieten tijdens het ‘shoe gazen’. Ik ontdekte met deze “An Alternative Place” in elk geval een meer dan degelijk album, met een paar uitstekende songs als “Never Forget”, “You and Me”, “Lies“, “Yesterday’s Over “ of het meest elektronisch aangestuurde nummer van het album “Face The Truth”. Ga er bij zitten en neem er de tijd voor!
DARK ENTRIES Online Muziek Magazine, http://www.darkentries.be/nl/cds/?cdid=1287
DEAD CURTIS - An Alternative Place CD
In den tiefsten 80ern entstand in Mönchengladbach die Wave-Formation
Dead Curtis. Die Band überlebte das Jahrzehnt nicht, aber jetzt,
20 Jahre später, trafen sich die Bandmitglieder wieder und starteten
einen zweiten Anlauf.
Auf „AN ALTERNATIVE PLACE“ befinden sich viele Neuauflagen der alten
Songs, aber auch neues Material.
Die Platte erscheint beim Castroper Label Plastic Frog, das bereits in der
Vergangenheit ein glückliches Händchen beim Neuauflegen von Szenemusik
der Achtziger bewies. myspace.com/deadcurtis
Coolibri, Sven Halen, August 2009
DEAD CURTIS - An Alternative Place CD
So basically Udo and Klaus were once in a punk band back in the mid-80’s whose existence was terminated early when all their gear got nicked, after which they dabbled musically apart, then reunited three years ago and this is their first album, moving easily over onto some post-punk solemnity, aided by B. Rotte and Jean Paul (drum machine).
‘The Will’ starts with some monastic pleasantries, then cuts into some plain but attractive gloom, the vocals bare and tremulous, the rhythm almost expiring, the guitar a shadow, yet with a charming chorus. ‘Party Girl’ is a punky lament over lost love, and although it’s a bit tatty, the music rescues the vocals because the song itself has been set out well, no matter how basic it actually is. Even the drippy guitar is quite sweet.
‘Never Forget’ is moody indie with a fledgling synth wash. It has a dignified air, and swirls around gently. ‘Just You And Me’ potters along quite bravely given they’re not totally there in some aspects, and sounds like a rough punky nephew of early Cure. ‘Lies’ then buzzes around guided by the simple guitar impact, along with some quite alarmingly poor bass but ends up emulating New Order’s delivery. Odd.
‘Dark Night Of June’ stumbles on with the guitar lithe around a moping synth and the vocals are all but flat out with dreaminess. ‘Tonight’ opens up a little, with a lusher atmosphere and more assured, stretching vocals, although the mood retains a dour simplicity which accentuates a pretty, downcast tune. ‘Deep In Frost’ has a wirier punk snaking along low to the ground and grows in stature as it builds, with keyboards adding a piquant twist to ‘Yesterday’s Over’, with acoustic and violin graciously inflating the relaxing ‘You Kill Me.’
‘Face The Truth’ is a bleak outing but its melodic sunny side, showing them at their spryest, ‘Lost Words’ is a cross between a lo-fi Chris Isaak and Joy Division, believe it nor, with a sleepily sultry air, before ending with the delicate instrumental ‘Sunset At The Sea’ an unusual but fitting ending for an album (although a droney punk number finishes it off as a secret bonus) which will never appeal to people who require everything nicely polished but those with a hankering for the honest emotional punky indie it will do just fine. There are some shaky elements but overall the songs themselves are well thought out and sensitively handled. With bells on.
CD-Review from MICK MERCER, http://mickmercer.livejournal.com/964944.html
ANTI TRUST - Das System stinkt CD
"Das System stinkt". Mal abgesehen von den Wahlergebnissen, die ja immerhin ein klein wenig Hoffnung wecken kann und muss man ja leider sagen: stimmt. Nichtsdestotrotz ist das neue Album von Anti Trust auch nicht wirklich die Sahneschnitte unter den Minimal/Wave Veröffentlichungen der letzten Zeit. 13 Tracks plus einem Remix freuen sich darauf, am Hörer vorbei zu rauschen.
Das liegt an zwei Punkten: Melodien und Gesang. Leider besteht ein Album musikalisch nur aus diesen Komponenten, wodurch das Sammeln von Pluspunkten schwierig wird. Die Musik ist netter, dudeliger Minimal, schön zu hören, nicht anstrengend und frei von jeglicher Kante, die sich im Gehörgang verhaken könnte. Keine der angestimmten Melodien ist schlecht, aber leider ist auch nicht eine einzige etwas besonderes. Und der Gesang ist einfach unangenehm, unprofessionell und ausdrucksarm. Kraftlos und mit roboterartiger Melodienabwanderung werden die deutschen Texte "erledigt". Da wünscht man sich echt'nen Vocoder oder eben doch ein Instrumentalalbum. Und warum das durchaus nette "wer wird da mal war" am Ende der CD in einem mit dem Original sehr eng verwandten, fast schon zwillingsartigen Remix ein zweites mal auftaucht bleibt mir schleierhaft.
Wenn ich bei Anti Trust wenigstens die übersprudelnden Ideen und die frische Energie ambitionierter Projekte hören würde, die eben an ihren Möglichkeiten scheitern (weil sie ihre Instrumente noch nicht wirklich beherrschen oder nicht singen können aber doch gute Ideen haben). Aber das kann man von einem Projekt, dass anscheinend bereits seit 1986 existiert, nicht mehr erwarten. Uninspiriert und nicht gut umgesetzt. Nö.
Der Medienkonverter, http://www.medienkonverter.de/kritik.php4?id=3646
DEAD CURTIS - An Alternative Place CD
Das CD-Cover erinnert sehr stark an alte griechische Figuren oder auch an einen Friedhof und wirkt auf mich sehr ansprechend. Den Namen DEAD CURTIS habe ich zuvor noch nie gehört, hatte aber die Vermutung, dass diese Namenswahl etwas mit dem verstorbenen Joy Division Frontmann Ian Curtis zu tun haben könnte und liege damit tatsächlich nicht mal so falsch *g*. Die Band existierte zum ersten Mal in den 80er Jahren, daher stammt auch ihre erste CD „Aussichtslos“ – als eines Tages im Proberaum eingebrochen wurde löste sich die Band auf – Steven Lonely und K.Rotte trafen sich aber per Zufall wieder und beschlossen, da wieder anzuknüpfen, wo sie sich verloren hatten. Und dieser Silberling ist nun das Produkt dieser Widervereinigung – nicht zu überhören sind die 80er Wave- und Postpunk Tendenzen die mich (gewollt) sehr stark an die Musik von Joy Division erinnert. Jetzt mögen sich die Geister scheiden, ob dies göttlich oder blasphemisch ist, den Musikstil von Joy Division zu honorieren oder zu imitieren. Mir persönlich gefällt die hier gespielte Musik sehr gut, nur die Stimmung, die dieses Werk verbreitet empfinde ich zeitweise als ziemlich depressiv und bemühend, also nix für schwache Gemüter *g*. Insgesamt ein gelungenes Werk, sehr retro und atmosphärisch. 8 Punkte
www.medazzarock.ch , geschrieben von Nathalie
DEAD CURTIS - "An Alternative Place"
Wie der Bandname schon andeutet, handelt es sich hier um extrem antiquierten
und irgendwie typisch deutschen Darkwave, der nicht nur von Joy Division
sondern auch von Bauhaus, alten Sisters Of Mercy und The Cure inspiriert
ist. Der Sound ist aber keinesfalls retro, sondern völlig authentisch, denn
jene Band, die hier ihr Debüt vorlegt, existiert bereits seit 1986.
Schwermütige Gitarrenmusik also - Ohne einen Funken Humor, ohne Drive, ohne
Club-Appeal. Einmalig konsequent. Auch wenn das edle Digi-Cover graphisch
durchaus professionell wirkt, wird nach dem gregorianischen Intro schnell
eines deutlich: Dead Curtis sind keine Profis, das sind Hobbymusiker im
positiven Sinne. Alle Songs wurden aus Liebe zur Musik aufgenommen; hier
wird nicht auf eine Karriere im Showgeschäft geschielt. Songwriting,
Produktion und Vocals dürften polarisieren, denn entweder gehen einem die
Songs unter die Haut oder man findet “An Alternative Place”, dass trotz
einem grundsätzlich sauberen Sound doch immer etwas das Flair von Demotape
und Proberaum atmet, völlig daneben. Entscheidet selbst!
Sonic Seducer, September 2009, geschrieben von Uwe Marx
THE SILENT PARTY - I Guess You Wouldn't Feel Shocked
Klingt so gelebte südamerikanische Lebenslust? Bei den 12 Stücken auf "I Guess You Wouldn't Feel Shocked" fühlt man sich doch tatsächlich in alte Zeiten zurückversetzt, als Bands wie JOY DIVISION und THE CURE oder auch die früher SECTION 25 den passenden Soundtrack für Monotonie, das Leben in Betonsilos, Einsamkeit, dunkle Gedanken, gefühlte und nicht gelebte Depressionen oder auch einfach nur Regenwetter lieferten. Erinnerungen an "Boys Don't Cry" und "New Dawn Fades" tauchen bei THE SILENT PARTY unweigerlich auf und obwohl sie durchaus wie eine klassische Factory Records-Band klingen, haben die sechs Musiker aus Brasilien keine (offensichtlichen) Ambitionen zu covern. Mit den richtigen Stilmitteln (dunkler Gesang, düstere Bassläufe, melancholische Gitarrenriffs, einfache dezente Syntheziserlinien) ausgestattet, schaffen es THE SILENT PARTY geschickt eine eigene Atmosphäre aufzubauen, und das will in diesem Genre schon etwas heißen. Ganz besonders gefällt mir hier die für heutige Verhältnisse recht roh geratene Produktion, aber genau das passt gut zur Musik und in die damalige Zeit. Wer also authentische alte Goth-Sounds liebt, ist bei THE SILENT PARTY in den besten Händen, zumal es mit "Many Ways" sogar einen kleinen Hit im Stile der frühen THE CURE gibt.
OX-Fanzine No. 82, Text von Kay Werner, Februar 2009
THE SILENT PARTY - I Guess You Wouldn't Feel Shocked
Obwohl das ansprechende Digipak der CD durchaus modern daher kommt, klingt hier alles nach 1981, genauer gesagt nach dem speziellen Darkwavesound der Zeit - The Cure und natürlich, immer wieder, Joy Division kommen dem geübten Hörer sofort in den Sinn. Kaum zu glauben, dass es sich hier um einen aktuellen Tonträger handelt. Ebenfalls kaum zu glauben, dass die sechsköpfige Gothicband mit dem angenehmen Indietouch aus Brasilien stammt! Eigentlich hätte man aufgrund der trüben Stimmung (und natürlich auch wegen den teilweise etwas holprigen englischen Vocals...) eher auf eine junge Band aus einer deprimierenden westdeutschen Betonhochburg der frühen 80er getippt. Roh und sehr emotional ist ihr Sound, geprägt vom dunklen Gesang, tollem Bassspiel und einfachen Synthielines. Da passt es auch ins Bild, dass Vocals und Produktion nur selten heutige Standards erreichen. Was für Liebhaber halt... Deshalb: Der ultimative Retro-T(r)ip
Sonic Seducer, November 2008, Autor Uwe Marx
KARMA F.I.S.T. - "Monitor"-EP
Karma F.I.S.T.
“Monitor”
(Plasticfrog/Backagain)
Das 50er-Jahre Cover deutet schon dezent in Richtung Welle:Erdball und so falsch liegt man mit der Vermutung musikalisch nicht; auch hier stehen Electrosounds aus den 80ern im Mittelpunkt. Einmal mehr geht es also in Richtung „Minimal-Elektronik“ - Nachdem es nach einem zwischenzeitlichen Hoch aufgrund des Hypes um Electroclash etwas ruhiger wurde, so existiert seit 2-3 Jahren wieder ein regelrechter Boom um alte Electroklänge - War vor einigen Jahren dieses Genre mit seinen Protagonisten, den Bands, Fans sowie den Labelbetreibern noch sehr übersichtlich, so verliert heute auch mancher Insider immer mehr den Überblick; nahezu im Wochenrhythmus erscheinen Neuigkeiten auf dem Sektor. Zum Glück geht dies (noch) nicht zu Lasten der Qualität der einzelnen Veröffentlichungen, dafür sind auch die guten Karma F.I.S.T. ein Beweis. Super Tracks, sogar die leidigen Remixes im zweiten Teil der CD fallen qualitativ nicht ab. Noch ist das Genre also nicht ausgereizt!
Uwe Marx, SONIC SEDUCER No. 12/2008
THE SILENT PARTY - I Guess You Wouldn't Feel Shocked
THE SILENT PARTY
I GUESS YOU WOULDN’T FEEL SHOCKED
Plasticfrog
Post-Punk with indie proclivities, The Silent Party have been active in Brazil for nearly three years now and seem a force to be reckoned with. Fans of Bell Hollow take note, and anyone else with a fondness for 80’s quality when remorseful Post-Punk and resourceful Indie could sit happily inside the same creative skin.
There is instant attraction in the casual elegance of the guitar and piano in ‘An Instant Of Difference’ with the hesitant singing and simpering synth adding to a stylish melancholia, and similarities to The Sound emerge in ‘Unsettled Understanding’, the bass as rumbley as Joy Division, but the grazed vocal and roving guitar make it a modern emotional melting pot.
‘Illusion’ is an exercise in repetitive simplicity which succeeds, somehow shabbily seductive with its recurring bass tickle and syrupy synth. The warmly capering acoustic and pasty electric guitars in ‘Many Ways’ accompany the undemonstrative, melodic vocals, as it drifts like a balmy sub-Cure serenade.
‘7 Minutes’ seeps beautifully with a funereal pace, deep trailing vocals and light synth and guitar gathered around its feet. ‘At The Desert Of The Soul’ borders on insipid being a little too easy on the ear although the feel is still spry and involving, and I think Velvets fans would like it. ‘I Call You’ is a sleek guitar-boosted song with nagging vocals, tough but shimmery, with ‘Generation’ even more impressive as the strings underpin the gloomy vocal, but ‘Don’t’ is very Joy Div, their own ‘Transmission’ in fact!
‘This Time’ shows how well they achieve their mood, as it’s so delicately dawdling it could just grind to a halt but the piano and shuffling drums shadow the thin vocals and a restful glow emerges. ‘Dusk’ is ghostlier, gently maudlin, a stirring example of the supple strengths their composition are blessed with, then ‘She’s So Strange’ introduces a newer, dancier feel with skipping drums, lovely unwinding guitar and some highly unnecessary syndrum! It’s unlike the other tracks, with a decent drop down and weird fade at the end but it just doesn’t fit and unbalances what is otherwise a truly inspiring record.
www.mickmercer.com , Archives 16.08.2008
GEISTERFAHRER - Fest der vielen Sinne
Artist: GEISTERFAHRER
Title: Fest der vielen Sinne (Re-Release)
Homepage: GEISTERFAHRER
Label: PLASTIC FROG RECORDS
Bei der Flut an Re-Releases auf dem Markt kann man sich wirklich freuen, wenn es denn auch Produktionen sind, die man sich sehnlichst zurück gewünscht hat. Glücklicherweise gibt es Labels wie NLW oder eben auch PLASTIC FROG RECORDS, die solche Schätze ausgraben und wieder ans Licht befördern. Mit dem zweiten GEISTERFAHRER Album „Fest der vielen Sinne“ aus dem Jahre 1981 wird ein echter Klassiker wiederbelebt, der bis heute zahlreiche Bands beeinflusst haben dürfte. Stilistisch bewegten sich die Hamburger um Michael Ruff, Matthias Schuster und Jürgen Weiss damals in Soundgefilden, die man irgendwo zwischen Wave, Goth und Alternative Rock einordnen kann.
Bereits der Opener und Titeltrack „Fest“ geht mit treibendem Trommelwirbel und quietschenden Gitarrenriffs voll nach vorne. Über all dem immer der absolut authentische Gesang von Michael Ruff. „Nacht der Löwen“ und „Mein Kind“ sind weitere unvergessene Tracks. Obwohl man damals sicher nicht in den Charts landen wollte, brachte das Album doch auch zumindest einen größeren Hit hervor: „Himmel auf Erden“. Dieser Song ist die perfekte Mischung aus eigensinnigen, positiv sperrigen und dennoch sehr eingängigen Sounds und Melodien. Seit gut 25 Jahren gehört dieser Song zu meinen absoluten Alltime-Favourites. Neben weiteren Perlen wie „Blumen“ und „Leiser Tod“ fehlt auch „Die Stimme der Erde“ nicht. Gerade letzteren Song kann ich mir auch heute noch sehr gut bei Batcave, Gothic und Waveparties vorstellen, was zeigt, wie weit die Band damals ihrer Zeit eigentlich voraus war.
Für alle Fans gibt es neben den regulären Albumtracks noch weitere Dinge auf diesem Longplayer zu entdecken. Auf CD gepresst wurden auch bisher unveröffentlichte Demoversionen zu „Mein Kind“ (was ich in dieser Version kaum erkannt habe ;-), „Wasser“ und „Es tut nicht mehr weh“ (was wiederum anhand des eingängigen Keyboardriffs identifizierbar war). Darüber hinaus gibt es noch die avantgardistischen „Schlechte Tage“ und „Drittes Programm“. Ein weiteres Highlight ist die komplette „Linientreu EP“ des damaligen Nebenprojektes von Michael Ruff und Jürgen Weiss, das die Sammlerherzen ebenfalls höher schlagen lassen wird.
Mit der Wiederveröffentlichung des zweiten GEISTERFAHRER-Albums wird ein Klassiker verfügbar, der eigentlich in jeder guten CD-Sammlung stehen sollte, nicht zuletzt durch die vielen Bonustracks und das gut gelungene DigiPack. Kauftipp!!!
Darkun (19.03.2008
GEISTERFAHRER - Fest der vielen Sinne
Nach der "Schatten voraus" kam diese zweite Geisterfahrer-Platte enttäuschend sperrig - zumindestens bis zum zwölften Hören. Als platteninterner Gegenpol wurde allerdings der NDW-Smash-Hit "Himmel auf Erden" plaziert, der sich dann auf jedem 4. NDW-Sampler fand. Aus der Distanz von 25 Jahren und vielleicht einer entsprechenden Intellektualisierung entpuppt sich diese Platte als klasse ("Schneeblind", "Die Stimme der Erde") - ähnlich wie das Spätwerk der Vorgruppe. Und rohe Demoversionen von "Wasser" und "Es tut nicht mehr weh" sind auch drauf. Aber vor allem der fast siebenminütige Halbsolokracher "Linientreu". Und: Plastic Frog kündigt gar ein neues Album der Geisterfahrer an! Dies könnte endgültig ein Revival des Genres "Intelligent-NDW" einleiten!
Das Dosierte Leben, No. 60, Reh-Zension, 2007
GEISTERFAHRER - Fest der vielen Sinne CD
Geisterfahrer„Fest der vielen Sinne“
(Plastic Frog/Backagain)
Mal wieder ein Re-Release der NDW-Underground-Helden um Matthias Schuster... Diesmal ist das 1981er-Album an der Reihe - Erstmals auf CD, im schicken Digipak, zudem versehen mit einer Menge Bonustracks, lässt es die Sammlerherzen höher schlagen. Auch wenn die insgesamt acht Bonustracks qualitativ etwas abfallen und keiner der Songs die Klasse des grandiosen Geisterfahrer-Classics „Das Ufer“ oder gar der Minimal-Elektronik-Hymnen des kultigen Ablegers Im Namen des Volkes erreicht, guten gitarrengeprägten New Wave-Sound bietet „Fest der vielen Sinne“ allemal! Damals schon kommerziell nicht wirklich erfolgreich, wird es wohl auch heute nichts mit der großen Karriere im Musicbiz. Muss aber auch nicht; Label und Musiker scheinen sich mit den überschaubaren Verkaufszahlen arrangiert zu haben. Ein kleiner Kreis Eingeweihter wird es ihnen danken. Diese könnten also mit ein bisschen Glück auch noch die auf 100 Stück limitierte Special-Edition des Albums (inkl. DVD „Geisterfahrer live in Hamburg 1986“) erwischen.
SONIC SEDUCER Ausgabe Dezember 2007, geschr. Uwe Marx
GEISTERFAHRER - Fest der vielen Sinne CD
Ebenfalls zurück aus der Vergangenheit sind GEISTERFAHRER. Mit dem
"Fest der vielen Sinne" (www.plasticfrogrecords.com) wird das zweite
Studioalbum, überarbeitet und hervorragend remastert von M. Schuster
persönlich, wiederveröffentlicht. Wieder einmal beweisen
GEISTERFAHRER, jetzt zum Trio geschrumpft, dass inspirierende und
zeitlose Musik aus Deutschland kommen kann. Etwas weniger
elektronisch und experimentiell, dafür mit neuer Energie und
teilweise überschäumender Spielfreude gehen sie die entscheidenen
Schritte vorwärts um sich selbst neu zu entdecken. Verschachtelt,
gezielt disharmonisch und desinteressiert an den aufkommenden neuen
deutschen Musikaktivitäten, klingen manche Lieder wie rohe Skizzen
eines wiederentdeckten Lebensgefühls das es zu verteidigen gilt.
Eigenständigkeit und Authenzitität haben hier ganz klar den Vorzug
vor Massenkompatibilität bekommen. Gitarrenwave gegen
Schlagerabziehbildchen. Das Bonusmaterial ist auch dieses Mal wieder
recht umfangreich: Fünf unveröffentlichte Lieder aus dieser Zeit und
die etwas schrägere LINIENTREU Maxi komplettieren die CD und als ob
das alles noch nicht reicht, liegt den ersten 100. Stück eine Live-
DVD vom Auftrit 1986 im Alabama-Kino Hamburg bei. (7)
OX Fanzine, von Carsten Vollmer
Sütterlin Nachf. - Elektrofüsse CD
gelesen im ETOILE, geschrieben von UWE (?), http://web9.1317-1.1st-housing.de/side36.html&ar=read_article&ar_article_id=295
Die Regierung Nie wieder Euphorie CD
Vor einiger Zeit habe ich ja schon das „Nie Wieder Euphorie“-Tape von Tilman Roßmys Band/Projekt DIE REGIERUNG besprochen und schon hat sich mit Plastic Frog Records ein liebenswertes Label gefunden, das die gaaaaaanz frühen Tapeaufnahmen wieder veröffentlicht. Hat alles noch gar nix mit den später bekannt gewordenen REGIERUNG-Sachen zu tun, sondern war noch ein Soloprojekt von Roßmy, bei dem er mit einfachen Synthies kleine Minimal-Pop-Perlen geschaffen hat, die zum großen Teil echten Ohrwurmcharakter haben. Wie es scheint, wollte der Musiker nicht, dass die Aufnahmen im größeren Rahmen verbreitet werden und so ist die Mini-Auflage streng limitiert. Immerhin hat Roßmy überhaupt die Genehmigung gegeben, die Musik zu verwenden. Das ist doch sehr sympathisch. Die Aufnahmen wurden von den damaligen Tapes durch Matthias Schuster remastert, der klangmäßig noch ein bisschen was rausgeholt hat, aber als CD-Referenz ist der Sound natürlich trotzdem nicht zu bezeichnen, was hier aber nicht so stört. Minimal-Electro-NDW-Fans werden gierig zugreifen, denn hier gibt es echt großartiges Material mit noch leicht schüchternem Gesang zu hören.
Neben den beiden Tapes „Nie Wieder Euphorie“ (damals erschienen als eine der ersten Veröffentlichungen auf Matthias Langs legendärem Irre Tapes-Label) und „Bleib Blind“ gibt es noch zwei Tracks von Tape-Compilations. Insgesamt also 15 x feiner deutscher Underground-Pop jenseits jeglichen Kommerzes von 1981/82.
http://www.backagain.de/, 14.04.2007, besprochen von Alexander Pohle
Matthias Schuster Atemlos II (Sprecht mit den Maschinen) CD
"I wake up in the morning sun - breathless" (THE MOTORS)
Futurismus aus der Vergangenheit!
Das Anfang der 80er Jahre die "Atemlos" des Geisterfahrers erschien, machte uns atemlos vor Freude. Das vor kurzem dieses Werk auf CD wieder veröffentlicht wurde, machte uns atemlos vor Freude. Das nun auch eine "Atemlos II" erscheint, macht uns sprachlos vor Freude. Diese langen verschollenen Aufnahmen - 19 Stück - sind dem Motto "Sprecht mit den Maschinen" gewidmet und entsprechend monoton (und zwar im positiven Sinne) und maschinenhallenatmosphärisch kommt dieses Werk daher. Im Effekt wirkt dies wie die authentische Umsetzung an der Front dessen, was Gary Numan seinerzeit mit "When the machines rock" umzeichnete. Natürlich fehlen auch Matthias Schusters kryptisch-surrealen Textfragmente nicht, wenngleich diese auch sparsamer dosiert sind als auf der ersten "Nicht-Atempause". Konsequenterweise posiert der Artist wie dereinst Kraftwerks "Mix"-Roboter, nur arbeitsamer, verschmutzter und nicht so perfekt. Die Musik entspricht diesem Bild und so hätten die Krupps statt ihrem Sinkflug in die Pseudo-Eleganz weitermachen sollen. Ein Meisterwerk.
Werbeslogan: "Maschinenhallensymphonie für Arbeiter und Roboter"
DAS DOSIERTE LEBEN No. 57, Reh-Zension
Die Regierung Nie wieder Euphorie CD
Ja, kann das wahr sein? Ja, hamma denn noch 1981?
Plastic Frog haben es einmal mehr geschafft, eine Perle des alten neuen deutschen Untergrundes an Land zu ziehen und von Chromdioxid ausgehend zu versilbern - will heißen, ein Meisterwerk der Tapekultur liegt nun auf CD vor. Und es war der Godfather der Tapekultur, Matthias Lang, der Die Regierung damals "signte" - auf diesem Werk finden sich die Lieder der Kassetten "Nie wieder Euphorie" und "Bleib blind", sowie Samplerbeiträge. In Summe sind dies 15 minimalistische LoFi-Perlen mit schnoddrig-lapidarem Gesang von Tilman Roßmy und rumpelnder aber stets ästhetischer Instrumentierung, die unwiderstehlich sind. Es sind die Keyboardflächen, die uns fast drei Jahrzente zurückversetzen. Und "Wer nichts zu sagen hat..." ist DIE Wittgenstein-Interpretation schlechthin. Irre gut!!!
Werbeslogan: "Die Scheibe willst du nie wieder loswerden".
DAS DOSIERTE LEBEN No. 57, Reh-Zensionen
Matthias Schuster Atemlos II CD
Die Menschen hinter Plastic Frog Records und NLW scheinen ja an Matthias Schuster bzw. GEISTERFAHRER einen Narren gefressen zu haben, denn nach einer Tribute-CD und diversen Wiederveröffentlichung, folgt nun weiteres und diesmal sogar unveröffentlichtes Material. Die hier vorliegenden und bisher als verschollenen geltenden Aufnahmen aus dem Jahre 1986 sollten damals als LP mit dem Titel "Sprecht mit den Maschinen" bei Independance erscheinen, woraus aber letztendlich nichts wurde. Ergänzt werden diese auf "Atemlos 2" jetzt zusätzlichen mit weiteren bisher unveröffentlichten Tracks, so das es die CD auf eine satte Spielzeit von 60 Minuten mit insgesamt 19 Titeln bringt. Das musikalische Spektrum jener zum Teil doch recht kurzen Songs reicht dabei von klassisch beeinflußten Scores, über elektronisch experimentelles und minimales, bis hin zu rockigen Ausbrüchen - eben irgendwie typisch für Matthias Schuster und GEISTERFAHRER. Mehr Infos unter www.plasticfrogrecords.com und natürlich auch dort erhältlich und so mit einem Direktkauf das kleine Label am besten unterstützt. Als nächstes planen Plastic Frog Records und NLW übrigens die Wiederveröffentlichung der zweiten LP und einen kultig-historischen Livemitschnitt der GEISTERFAHRER. (M.F.)
Black Magazine, Marco Fiebag
Die Regierung Nie wieder Euphorie CD
Die großartigen Menschen von Plasticfrogrecords haben sich die Mühe gemacht und die ersten "Die Regierung"-Kassetten zu einer 15-Track starken Sammlung zusammgefasst. Dort finden sich erste Versionen von DER MÜLLMANN, DER RUNTERBRINGER, HALT'S MAUL, SCHULE IST AUS und 11 weitere Klassiker. Nie auf LP, geschweige denn auf CD veröffentlicht. Tilman Rossmy, Regierungsgründer und Quartettbetreiber.
29.03.2007, gesehen im Überzahl
Die Regierung Nie wieder Euphorie Tape/CD
Ach ist das herrlich! Das gute alte Irre Tapes Label mit seiner Anfang der 80er Jahre zweiten Veröffentlichung (nachdem es vorher schon zwei Sampler ohne IT-Nummer gegeben hatte). Was hätten Matthias Lang und REGIERUNG-Solist Tilman Roßmy damals gelacht, wenn sie auch nur im Entferntesten daran gedacht hätten, dass DIE REGIERUNG mal eine richtig bekannte Band werden würde, die diverse Platten veröffentlicht und danach Roßmy auch erfolgreich als Solist hervorbringt. Nun, mit den späteren Aufnahmen von DIE REGIERUNG hat dieses frühe Tape musikalisch wenig zu tun, aber ganz großartig ist es trotzdem. Mit minimalen elektronischen Mitteln hat Roßmy seine Version von Popmusik auf Band gebannt und obwohl der damaligen Zeit entsprechend deutsch gesungen wurde, hat das mit NDW nur wenig zu tun, mal abgesehen von der hier und da leicht naiven Stimmung. Ein bisschen wavig ist es auch und dazu gibt es leicht nachdenkliche Texte, wie es auch später Roßmys Markenzeichen werden sollte. Ein Wunder, dass diese Aufnahmen (und die anderer Tapes von DIE REGIERUNG) so lange verschollen waren und nicht viel früher von findigen Re-Release-Labels wieder entdeckt wurden, denn in den Kreisen der Minimal-Electro-Fans müsste ein Vinyl mit den besten Aufnahmen eigentlich einschlagen. Nun soll da tatsächlich was kommen. Hoffentlich ist es dem Musiker heute nicht peinlich, was er damals so gemacht hat, denn die Songs sind einfach sympathisch und man sollte doch immer zu seinen Wurzeln stehen. (A.P.)
ALEXANDER POHLE, Back Again
Die Regierung Nie wieder Euphorie Tape/CD
1982/Elektrische Welt Cassetten
C-20
"Die Regierung, da sind verkabelte Vollelektroniker, die perfekt, aber gelangweilt ihre Gefühle ausdrücken. Undefinierbar zwischen Euphorie & Depression gelegen. Nette Kaufhausmusik in Stereo? Hör’ also sofort Seite 2! „Müllmann“ klingt frisch und kommt sehr gut: „... ist doch alles Dreck, ist doch alles Müll / Du bist so schlecht und Du bist so wild / Du bist so hässlich / ist nicht recht ... und hier kommt der Müllmann und fährt Dir alles weg, alles was Du hast ist weg.“ „Kein Feuer“ ist irgendwo sehnsüchtig / erwartend. Hübsch." ()
Klaus Wittmann, Purer Spass Nr.2, 10.1982
Matthias Schuster Atemlos II (Sprecht mit den Maschinen) CD
Von Matthias Schuster
, einen weiteren "Veteranen" der NDW, gibt es ebenfalls eine neue Veröffentlichung. "Atemlos 2 (Sprecht mit den Maschinen)" (www.plasticfrogrecords.com) war eigentlich schon 1986 zur Veröffentlichung auf dem Independance-Label geplant, was aber aus verschiedenen Gründen damals nicht realisiert wurde. Ergänzt mit unveröffentlichten Material aus der selben Phase und Raritäten liegt hier eine CD vor, die Liebhabern minimaler und analoger Elektromusik ein Lächeln auf das Gesicht zaubern wird. Alleine die Liste der verwendeten Instrumente ist imposant und auch musikalisch bürgt
der Matthias Schuster
für eine erstklassige Qualität. Die Aufnahmen sind zeitlos und es befinden sich einige wirkliche Hits darunter. Neben diesen für ihn typischen und tanzbaren minimal Sounds, die für extreme Bewegung sorgen, produziert er auch aufregende, klaustrophobische und düstere Klangexperimente. (8)
Ox-Fanzine No. 71,"WILLKOMMEN IN DER ELEKTRISCHEN ZONE" von CASI
Sütterlin Nachf. Elektrofüsse CD
Sütterlin Nachf. Elektrofüsse CD
"Wir werden nicht müde, denn wir haben Elektrofüsse" - ja, dies ist eine wortspiegelgewandte Platte in bester Obscure-NDW-Tradition, eine Platte, die auch aus 1982 stammen könnte und an Die Kapazität und Die Gesunden erinnert. Charmant, brilliant, aha, "Achtung" / "Buxtehude" / "-chen" - es ist die Simplexität mit naiven Texten und attraktiv-raffinierten Elektro-Analog-Sequenzen mit Sündensizern en masse, die diese Platte für jeden Freund der analogen Elektronikatessen zu einer sogleich unverzichtbaren Wundertüte machen. Dann und wann casiot es auch - NDW-Chills en masse, sehr stylish; aber auch nahe und freundlich und einladend und unarrogant. Wunderbar und wir fühlen uns 25 Jahre jünger, dies ist auch noch tanzbar und einfach im Effekt. Très très chic! "Ich wär so gerne anders" - der Titel ist Programm. Mit dem Charme der Mythen In Tüten eine unbedingte Kaufempfehlung für einen jeden avantgardistischen Haushalt.
DAS DOSIERTE LEBEN No. 55, Reh-Zensionen, November 2006
Geisterfahrer Schatten voraus CD
Unvergleichlich und seiner Zeit weit voraus. Ein Klassiker, der die Neue Deutsche Welle in den Adelsstand des Anspruchs erhoben hatte, ohne dass dies freilich viele zur Kenntnis nahmen. Erst mit "Himmel auf Erden" vom Zweitling gelang ein Mini-Durchbruch. 1980 war dieser Quantensprung mit egomanisch-abstrakten Texten und düsteren Klängen, Höhepunkt ist ist der Elektrostickblues "Es tut nicht mehr weh" und "Vertrauen" mit Metallplatten-Krupp-Geschlage zwischen Part 1 und 2. Entweder traf die Platte damals dein Lebensgefühl oder nicht. Wer sich seinerzeit in diese Platte verliebte, dem wurde sie zum Lebensbegleiter. Heute haben sie die Chance auf "ihren" Einstieg - garniert mit 6 (nicht so guten) Bonustracks. Ausprobieren - antesten. Einfach so, einfach so., einfach so, einfach so...
DAS DOSIERTE LEBEN No. 55, Reh-Zensionen, November 2006
Sütterlin Nachf. Elektrofüsse CD
Bleiben wir gleich bei PlasticFrogRecords, deren Homepage
(plasticfrorecords.com) ihr umbedingt mal ansteuern solltet, wenn ihr
Interresse an klassische Electronic und NDW habt. Das aktuelle SÜTTERLIN
NACHF. Album “Elektrofüsse³ passt dort hervorragend in Labelprogramm. Ein
Bestandteil des Kernkrach-Teams und Hiltrud Hecke produzieren klassische,
synthetische NDW mit den gleichen naiven und unfertigen Charme der
Gründerjahre. Manchmal entdeckt man dann aber doch moderne Rhythmiken und
staunt nicht schlecht, dass soetwas heute noch möglich ist. Das ist wie eine
sympathische Zeitreise von der man sich öfter verführen lassen will. Feine,
kleine Melodien die dem Ohr schmeicheln und Liedtexte die so herrlich
frisch, spontan und schräg klingen, dass einem das Herz aufgeht. (8)
OX Fanzine No. 69, geschrieben von Casi
V.A. Hier kommt der leise Tod CD
Nein, im Ernst: “Hier kommt der leise Tod (Ein Tribut
an GEISTERFAHRER)³ (plasticfrogrecords.com) ist ein reines Fan- und
Liebhaberprojekt, dass einfach ein bisschen Werbung vertragen kann. Der
aktuelle deutsche Elektronik-Untergrund gibt sich die Ehre und verbeugt sich
vor GEISTERFAHRER. Von Minimal über NDW und vielschichtiger, experimentaler
Elektrotechnik bis hin zum Cut-Up-Noise ist jede Richtung vertreten.
Natürlich liess es sich Herr Schuster persönlich als DAS INSTITUT nicht
nehmen auch aktiv mitzumischen. Locker an- und abmoderiert wird die
Zusammenstellung von Klaus Fiehe, was dem Ganzen den passenden und würdigen
Rahmen verleiht. (7)
OX Fanzine No. 69, geschrieben von Casi
V.A. Hier kommt der leise Tod CD
GEISTERFAHRER aus Hamburg waren eine der ganz frühen deutschen Independentgruppen und wurden stark von JOY DIVISON, MODERN ENGLISH, GANG OF FOUR und P.I.L. beeinflusst. Später haben sie auch gerockt, aber eine gewisse Düsternis ist immer geblieben. Nach einleitenden Worten von Klaus Friebe stellen insgesamt 18 Künstler ihre GF-Interpretationen vor. Und im Vergleich zu vielen anderen Tribut-Samplern wird hier tatsächlich interpretiert, das heißt hier gibt es keine billigen Eins-zu-eins-Kopien, welche dann als Tribut verkauft werden, sondern teilweise recht eigenwillige und sperrige Versionen, die es manchmal recht schwer machen, das Original zu erkennen. Ich finde alleine schon deshalb ist dieses Tributalbum mehr als gelungen. Alle Beiträge finden sich irgendwo zwischen Avantgarde und Minimal-Elektronik wieder und das funktioniert sehr gut, denn schließlich haben auch GF in ihre Musik Minimal- und Industrial-Elemente eingebaut. Beim genauen Hinsehen der beteiligten Künstler entdeckt man sogar den einen oder anderen bekannten Namen. So verbirgt sich hinter dem Bandprojekt DAS INSTITUT GF-Godfather Matthias Schuster und auch Andy Giorbino ist nicht gänzlich unbekannt. Ach ja, der GF-NDW-Hit "Himmel auf Erden", gespielt in einer DAF-mäßigen Version, ist auch mit dabei. (72:08)
OX Fanzine No. 68, geschrieben von Kay Wedel http://www.ox-fanzine.de/p23/rid/54007/ftcol/Geisterfahrer/hier_kommt_der_leise_tod_ein_tribut_an_geisterfahrer_cd.html
Sütterlin Nachf. - Elektrofüsse CD
Der Herr Sütterlin betreibt sein Projekt SÜTTERLIN nun schon weit über 20 Jahre, allerdings mit einer langjährigen Pause. Die erste Veröffentlichung auf Kernkrach war eine SÜTTERLIN-Single, eine LP gibt es auch und die Auftritte bei den Kernkrach-Festivals sind bereits jetzt legendär, wobei die Single „Kernkrach“ zum ersten Festival 2004 inzwischen ultrarar ist. Der Herr Sütterlin macht aber auch neue Musik, und weil ja alles ein bisschen anders ist, als Anfang der 80er, heißt das Projekt heute halt SÜTTERLIN NACHF. Und wird durch Hiltrud Hecke unterstützt und weil man ja auch neue Hörerschichten gewinnen will, um irgendwann all die Robbie Williamse und Scissor Sisters von den Toppositionen der Charts zu verdrängen, wagt man sich nun auch an das Medium CD heran. Das feine Werk „Elektrofüsse“ ist auf Plastic Frog Records erschienen und bietet sowohl alten, wie auch neuen Fans was, denn die Mischung macht’s! Klar, der Sound ist immer noch im Minimal-Electro der 80er Jahre beheimatet, klingt aber gleichzeitig sehr modern, ohne sich an aktuelle Trends anzubiedern. Zwischen jeder Menge echter Ohrwürmer wie „Elektrofüsse“, „Achtung“, „Altpapier“, „Leichtes Herz“ und „Ein Traum“ gibt es auch jede Menge leicht verschrobene kleine Elektroperlen, die skurril genug sind, um SÜTTERLIN NACHF. Wohltuend von den meisten anderen Acts abzuheben. Dazu witzige Texte, die oft aber gar nicht so dumm sind und zu Ironie, manchmal sogar ein bisschen zynisch. Das gefällt mir und macht Spaß. Hier und da erinnert das fast an Foyer Des Arts, was man als großes Kompliment verstehen sollte! Ein herrliches (Minimal-) Electro-Album! (A.P.)
www.backagain.de , geschrieben von Alexander Pohle, November 2006
Sütterlin Nachf. - Elektrofüsse CD
Das gemischte Duo SÜTTERLIN NACHF. agiert schon seit den 80er Jahren in der Minimal Elektro-Szene und brachte dort so einige Tapes in Umlauf, welche später auch auf Kernkrach im Vinyl-Format wiederveröffentlicht wurden. Ihre Debüt-Album erscheint nun aber nicht auf dem eigenen Kernkrach-Label, weil digital und so springen hier die Freunde von Plastic Frog Records ein. SÜTTERLIN NACHF. präsentieren auf der CD mit 15 Tracks einen charmant-verspielten Reigen aus naiven Synth Pop und Minimal Elektro mit starken NDW-Einschlag, der zuweilen arg albern wirkt, aber trotzdem mit dem Titelsong einen richtigen Hit aufzuweisen hat. Gemastert hat das Ganze dann vom GEISTERFAHRER Matthias Schuster und dem haben SÜTTERLIN NACHF. ja auch schon einen gelungenen Tribut auf "Hier kommt der leise Tod"-Compilation gezollt. Am besten bezieht man bei Interesse die CD über www.plasticfrogrecords.com und unterstützt so das Label bzw. SÜTTERLIN NACHF. am besten. (M.F.)
Review aus Black No. 45, geschrieben von Marco Fiebag, www.blackmagazin.com
V.A. "Hier kommt der leise Tod" CD
OX-Fanzine No. 67, besprochen von Kay Wedel
V.A. "Hier kommt der leise Tod" CD
Nicht schützen muß man die Hörer dieses formidablen Tributs, das die Geisterfahrer schon lange verdient haben. Die LP "Schatten voraus" sucht noch heute ihresgleichen in deutschen Wellen und "Pestkreuze", "Wasser", "Das Haus", "Es tut nicht mehr weh", "Schatten", "Sand am Meer" finden sich hier in vollkommen abgedrehten und damit würdigen Varianten! Der dem Dosierten Leben auch als Autor bekannte Brandstifter präsentiert hier seine Variante von "Mein Kind" und der Smash-Hit "Himmel auf Erden" wird flott und kess von Anti Trust präsentiert. - Das ist Independent! "Wasser" von K.Rotte beispielsweise kommt als Hypnomix, als wäre es in der Sicherheitskammer einer Kläranlage aufgenommen. Diese Formationen haben die Geisterfahrer wirklich verstanden und zeit- und stilgerecht rekonstruiert. Das Potenzial, das in nahezu jedem Geisterfahrer-Lied steckt, dieses Potenzial wird voll ausgenutzt.
Michael Ruff, Matthias Schuster, Hans Keller - sie haben sich ganz bestimmt über dieses Tribut gefreut. Empholen für Geisterfahrer-Heads eh, Freunde außergewöhnlicher Musik (die werden daraufhin AUCH auf die Geisterfahrer selbst aufmerksam und neugierig). Wir hoffen, liebes Plastic Frog-Label, auf entsprechende Tributs an Wirtschaftswunder und Weltschmertz!
Das Dosierte Leben, Àgota König(in), Obere Riedstr. 57, 68309 Mannheim, "Reh - Zensionen" No. 53
V.A. "Hier kommt der leise Tod" CD
„Ein Tribut an Geisterfahrer“ heißt es auf dem Cover. Damit ist dann auch klar, worum es hier geht: Um die Ehrung eines ewigen Geheimtipps, aber gleichzeitig einflussreichsten deutschen Undergroundbands der 80er-Jahre. Für den Verkauf des vorliegenden CD-Samplers wären dabei sicherlich ein paar größere Namen ebenso wie ein nicht ganz so nichtssagendes S/W-Artwork sehr hilfreich gewesen. Oder kennt jemand allen Ernstes Klaus Fiehe, Der Thermograph, Capra & Co.??!? Das absolute Highlight des Samplers, „Das Ufer“, stammt dann auch von einer etwas bekannteren Band: They Fade In Silence – Ein grandioser Gothicrock-Song, ganz im Stile alter Heroen wie Pink Turns Blue oder Fliehende Stürme! Insgesamt liegen, wie eigentlich immer bei derartigen Samplern, Licht und Schatten nah beieinander. Newsflash: In den nächsten Wochen wird Plastic Frog zwei weitere CD-Alben mit direktem Bezug zur düsteren Hamburger Band herausbringen: „Atemlos 2“, das verschollene zweite Solo-Album von Geisterfahrer-Chef Matthias Schuster, sowie die zweite Geisterfahrer-LP „Fest der vielen Sinne“ versehen mit einigen Bonustracks erstmals auf CD.
Sonic Seducer September 2006, rezensiert von Uwe Marx
Sütterlin Nachf. "Elektrofüsse" CD
Nachdem die Bielefelder SÜTTERLIN 2004 beim Kernkrach Festival in Warendorf ihr großes Comeback feiern konnten, kehren sie nun auch veröffentlichungstechnisch in den Fokus zurück. Der Begriff „SÜTTERLIN“ steht eigentlich als Kurzform für eine kunstvolle Schriftart, welche Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Inwieweit man sich in den 80ern von diesem Motiv hat leiten lassen, kann hier nur vermutet werden, jedenfalls war man damals schon mit einigen Tape-Stücken im NDW Underground aktiv. Darum auch das Kürzel „NACHF.“ im Namen für die „Second Generation“. Die beiden Gralshüter elektronischen Minimalismus’ sind Heinz Stelte (Co Chef des Kernkrach Labels) und HILTRUD HECKE, welche kürzlich erst mit ihrem emanzipatorischem Werk „Herdplatte“ auf sich aufmerksam machen konnte. Beide sind natürlich auch auf dem Cover abgebildet: Die erste rot-grüne Koalition, die funktioniert... Lediglich die titelgebenden „Elektrofüsse“ wird man vergeblich suchen, da hinter Asphalt verborgen, was der Künstler uns damit wohl sagen möchte? Derlei Fragen werden aber auch beim Genuss des Tondokuments immer wieder aufkommen, denn die Texte spielen mit Metaphern, sind oft hintersinnig, fast in der Tradition von Karl Valentin. Was hier und da zusammenhangslos und absurd wirkt, kann nach genauerer Beschäftigung durchaus als Gesellschaftskritik verstanden werden. Die dazugehörige Musik klingt keinesfalls so retro, wie man es vielleicht vermuten würde. Der Opener „Schöne Lieder“ kommt als dubbig lässiges Intro daher, der nun folgende Titelsong fußt auf einem putzigen, kinderliedartigen Beat. Dazu intoniert das Elektropärchen gemeinsam den einprägsamen Refrain. Im weiteren Verlauf werden vielerlei Einflüsse der Populärkultur ausgegraben. Die SÜTTERLINsche LAIBACH-Variante „Achtung“ (man siehe auch den Orden an des roten Herren Brust), Calypso-Einflüsse bei „-chen“ (?!), französisches Flair umweht das Beziehungsdrama „Nur“, gesampelte TRIO-Parts geben „Leichtes Herz“ den letzten Schliff und der Song „Discofox“ erklärt sich selbst. Das größte Single Potenzial (in Anführungszeichen) besitzt der schon vom Kernkrach Festival 2005 bekannte Track „Ein Traum“. Der ein oder andere Moment fällt vielleicht etwas beliebig aus, doch solche Betrachtungen sind im Grunde obsolet bei so viel spaßiger Spielfreude, die trotz oder gerade wegen der bewussten Vereinfachung erstaunliche Komponierkunst offenbart. Auch produktionstechnisch durch die hilfreichen Hände von Matthias Schuster (DAS INSTITUT) auf dem neuesten Stand. Da freut man sich doch auf die nächste Live Performance mit Pedro dem dauerbetrunkenen Mexikaner und der Frau von der Käsetheke...
Terrorverlag, September 2006, geschrieben von TK
V.A. "Hier kommt der leise Tod" CD
Nun, es wurde eigentlich wirklich mal Zeit, dass sich jemand daran macht, einer der ersten, einflussreichsten und wichtigsten deutschen Independentbands ein Denkmal zu setzen, den Hamburger GEISTERFAHRERn. Nun sind Tribut-Sampler nicht gerade eine neue, aber doch immer wieder interessante Idee, wobei die Ergebnisse immer recht durchwachsen sind. Kann man eine so gute Band überhaupt adäquat covern? Kaum, und so gibt es hier neben einigen Höhepunkten, die vor allem von den schon bekannteren Bands und Projekten kommen, auch einiges an Mittelmaß und leider ein paar Ausfälle.
Zu den Höhepunkten gehören auf jeden Fall DAS INSTITUT, NOTSTANDSKOMITEE, SÜTTERLIN NACHF., CAPRA, die ANDY GIORBINO BAND, THEY FADE IN SILENCE und ANTI TRUST, die sich an Klassikern wie „Schatten“, Himmel Auf Erden“, „Pestkreuze“ oder „Das Ufer“ durchweg gelungen versucht haben. Das sind auch die Stücke, die den Geist der Originale am besten treffen.
Manche Beiträge sind aber kaum als GEISTERFAHRER-Stücke zu erkennen und erinnern eher an Projekte, wie es sie in der Tapeszene schon immer gab und die wenig spannend sind. Das macht die Macher nicht zu schlechten Musikern, aber sie treffen bei mir einfach nicht den Nerv, zumal ich die GEISTERFAHRER sehr mag.
Die Idee des Samplers ist gut und ich bin sogar ziemlich sicher, dass GEISTERFAHRER-Gründer Matthias Schuster die CD sehr gerne mag, eben weil so völlig seltsame, abstruse, schräge Versionen herausgekommen sind. Ich allerdings hatte mir ein bisschen mehr erhofft. Um mal beim Thema zu bleiben...der Adrenalinkick wie bei einer Geisterfahrt oder eben den Originalplatten der Gruppe bleibt ein bisschen aus. (A.P.)
BackAgain, Alexander Pohle, Juli 2006
V.A. - "Hier kommt der leise Tod!" (CD)
Nachdem das kleine Plastic Frog-Label schon die erste und vor allem legendäre LP "Schatten voraus" der GEISTERFAHRER auf CD wiederveröffentlicht hat und damit es sogar zu einem Review im MUSIKEXPRESS gebracht hat, folgt nun mit dieser Compilation ein Tribute an die GEISTERFAHRER, welche ja nicht wenige deutsche Untergrund-Musiker beeinflußt haben. So interpretieren und dekonstruieren hier Bands und Künstler wie DAS INSTITUT, RE/NOISE, EGGD, ORDNUNGSAMT, BRANDSTIFTER, Rapu Morgenstern, SÜTTERLIN NACHF., NOTSTANDSKOMITEE, PKC, K.ROTTE, CAPRA, TF DRONE, ANDY GIORBINO BAND, ARSCH MIT ORDEN, DER THERMOGRAPH, THY FADE IN SILENCE, ANTI TRUST und Carsten Vollmer 18 längst zu Klassikern gewordene Songs der Hamburger Legende. Überaschenderweise geht man dabei zum Teil angenehm respektlos mit den Originalen um und so ist hier keineswegs die Rede von schnöden Covern und ehrfurchtsvoller Nachspielerei. Experimentelle Minimal Elektronik, Electro Pop, New Wave und sogar Harsch Noise wechseln hier auf der Autobahn stetig die Spur und ein genial gesprochenes Intro und Outro von Klaus Fiehe umrahmt den zügigen Verkehr. Ohne jetzt ein Projekt bzw. eine Coverversion besonders hervorzuheben sei gesagt, daß "Hier kommt der leise Tod!" eine überaus spannende Angelegenheit und wirklich richtiger Untergrund ist. Mehr Infos unter www.plasticfrogrecords.com und auch dort sehr günstig erhältlich. Bleibt nur zu hoffen, daß auch bald das zweite Album "Fest der vielen Sinne" der GEISTERFAHRER im digitalen Format via Plastic Frog Records wiederveröffentlicht wird. (M.F.)
Review aus BLACK 44, Marco Fiebag, http://www.blackmagazin.com
"Hier kommt der leise Tod" Geisterfahrer-Tribut-Sampler
„Ich war nicht begeistert, ich war verwirrt“, heißt es in Knarf Rellöms „Autobiographie einer Heizung“ über eine frühe Begegnung mit Post-Punk. Eine der für mich persönlich verwirrendsten Platten war irgendwann mal die erste LP der Hamburger Post-Punk-Gruppe Die Geisterfahrer gewesen. Sie war offensichtlich inspiriert von der düster-stoischen Punk-Weiterentwicklung der ersten Joy-Division-LP, aber noch viel verstörender, weil zermürbter, unrunder, um nicht zu sagen: versehrter. Sie sprang mich nicht in Punk-Brett-Manier an, sondern taumelte auf mich zu und schien dann irgendwie zusammenzubrechen. So ungefähr, jedenfalls. Ihr Nicht-Gesang klang wie durch mehrere Schichten eitrigen Verbandsmull hindurch gepresst und zersetzte die ohnehin schon weitgehend aufgelösten Texte noch weiter. Ein ästhetisch kondensierter Horror vor Massenvernichtungswaffen hie und Friedensbewegung da – Songtitel wie „Pestkreuze“ waren in diesem historischen Zweifrontenkrieg eine hervorragende Waffe gegen beide Seiten desselben falschen Bewusstseins. Aus einer schnell einrastenden Begeisterung für verwirrende Post-Punk-Düsternis als „Zeitgefühl“ entstand dann wenig später (die besagte LP erschien 1980) die Gothic-Bewegung oder, um es auf banal-rockhistorisch zu sagen: Joy Division bereiteten den Weg für Sisters of Mercy ... Und Die Geisterfahrer wurden als „Godfathers of German Goth“ verhaftet. Was jetzt mit einem Tribute-Sampler noch mal ratifiziert wurde von weitgehend unbekannten Gruppen aus Dark Wave und dem verschwägerten Neo-Minimal-Genre. Mehrheitlich werden die Originale dort zu gut geölten Grufti-Disco-Schlagern umgebogen. Und anstelle von deren Verstörtheit klappern die meisten InterpretInnen die szeneüblichen Formen von Affirmation, Eindeutigkeit, Klebrigkeit und verpeiltem Pathos-Kitsch ab. Denn: These groups are made for stalking! – Am ehesten gibt noch der Beitrag des Mainzer Underground-Aktivisten Brandstifter eine ungefähre Ahnung von seiner Vorlage. Passt insgesamt zu gut – wenn auch nur als Fußnote – zur aktuellen Post-Punk-Verstellung durch Wiederaufgriff und die begleitenden Begeisterungsstürme des laufenden Festivalsommers. Sehr gut hingegen der als matter Gag getarnte Schlusskommentar von Klaus Fiehe: „Achtung, Achtung, Ladies und Gentlemen! Die Gefahr der Geisterfahrer auf bundesdeutschen Autobahnen besteht nicht mehr!“ – quod erat demonstrandum.
INTRO (Mag aus Hamburg), Sommer 2006, von Frank Apunkt Schneider
GEISTERFAHRER "Schatten voraus" & "Hier kommt der leise Tod"
"Alfred Hilsberg (Hilfszwerg) betrachtet es als sein Lebensziel, der Welle zum Durchbruch zu verhelfen, bevor ihn der Wodka und sein Raucherbein endgültig zum Dahinsiechen zwingen." Schrieb jedenfalls Kid P. 1981 unter der Zwischenüberschrift "Dummheit und Versagen in Hamburg". Und weiter über Hilsberg: "Leider fehlt im völlig das Geschäftsgebaren großer Industriekapitäne, und werbetechnisch ist er rückschrittlich wie zur Währungsreform (...). So wundert mich nur, daß er mit seinem ZICK ZACK Label (Lieber zuviel Scheiß als zuwenig) noch nicht pleite gemacht hat. Sein Motto: Jeder Versager (je dümmer, desto besser) darf eine Platte machen. Die ersten waren GEISTERFAHRER (Bestehend aus Hans Keller und drei Nullen/Studenten). Von ihrer Single sind sogar die beiden pop-chanson-ähnlichen Stücke auf der zweiten Seite GUT. (Bis auf den Gesang/die Texte von Michael Ruff, dem SOUNDS-Kritiker, der die Songtexte in seinem Lyrikheft mit sich rumschleppt. Vielleicht sollte er sich lieber das Poesiealbum seiner kleinen Schwester besorgen)." Haha. Das waren Zeiten. Bei den besagten Nullen bzw. Studenten an der Seite von Hans Keller handelt es sich um Michael Ruff, Matthias Schuster und Jürgen Weiß. Die erste LP der Geisterfahrer "Schatten voraus" erschien auf Tommy Richters Konkurrenz-Label. Manchem Veteranen dürften die Anfangssätze "Meine Stimme ist falsch/ hört nicht auf mich" noch im Ohr sein, als hätte der spätere SPEX-Herausgeber Ruff sie erst gestern emotionslos runtergeleiert. Seit Ende letzten Jahres ist sie endlich auf CD zu haben, was zwischen Joy Division und frühen Kraftwerk, Kraut- und Punkrock mittels der neuesten klangerzeugenden Dampfmaschinen in D-Land durch industriell anmutende New Wave dumme Spießerschweine jeder Art verschreckt (zum Beispiel auf dem von Hilsberg initierten Markthallen-Festival). Dazu erscheint jetzt außerdem der Tribut-Sampler "Hier kommt der leise Tod" mit Intro/Outro von Klaus Fiehe. Die Geisterfahrer sind seit jeher ein experimenteller Verbund, der erst später wie eine Rockband funktionierte und bis heute dem Mainstream entgegensteuert.
SPEX, Juli 2006, Seite 108, geschrieben von Wolfgang Frömberg
HIER KOMMT DER LEISE TOD (GEISTERFAHRER-TRIBUT-SAMPLER)
GEISTERFAHRER sind ohne Zweifel eine der wichtigsten und ältesten deutschen Wave-Bands, die es trotz vieler Stilwechsel immer geschafft hat, präsent zu bleiben. Viele Musiker wurden bis heute von ihrem absolut eigenständigen Stil beeinflusst. Alleine deswegen haben die GEISTERFAHRER schon einen eigenen Tribut-Sampler verdient. Vertreten auf dieser CD sind eine ganze Menge mehr oder weniger bekannte Bands, die sich jeweils einen Klassiker rausgepickt und neu interpretiert haben. Interpretiert ist das richtige Wort und nicht gecovert, denn einige Songs lassen das Original kaum noch erkennen. Fast alle Tracks bewegen sich jedoch in Richtung Avantgarde bzw. Minimal-Electro. | |
(04.06.2006) http://www.musik.terrorverlag.de/musik/index_single_frame.php?select_cd=3811&kategorie=industrial | |
GEISTERFAHRER SCHATTEN VORAUS
Re-Releases diverser Schallplatten auf dem Medium CD hat es in den letzten Jahren immer wieder gegeben. Doch nur selten gibt es Veröffentlichungen, die diese Auffrischung so verdient haben wie das mir nun vorliegende Debüt-Album "Schatten voraus" von GEISTERFAHRER aus dem Jahre 1980, das nun endlich den so lange ersehnten Weg auf CD gefunden hat. | |
(23.03.2006) TERRORVERLAG; http://www.musik.terrorverlag.de/musik/index_single_frame.php?select_cd=3498&kategorie=industrial | |
GEISTERFAHRER SCHATTEN VORAUS
Erinnerungen - 1980, Lupenrock mit Alan Bangs oder Petra Müller, ein elektronisch-punkiges Stück namens "Das Ufer". Und ab in den Plattenladen, kaufen. Damals geil, zwischendurch cool, aber vergessen, da Plattenspieler eingelagert, heute: krass. Diese Texte! Arto-Lindsay-Gitarren! Blubber-Rhythmus-Maschinen! Wo trafen Kraftwerk je so gekonnt auf die Sex Pistols? Toll, dass ihr diese CD endlich rausgebracht habt. Die alten Lücken schließen sich :-)
Jetzt zum Meckern: Auf dem Cover heisst es "Festkreuze", statt "Pestkreuze". Macht aber nix. Und nach paarmaligem Hören kann ich den Bonus-Tracks auch wenig abgewinnen, da sich sie zu Demo-mäßig und unausgegoren finde. Zu viel Punk, zu wenig Kraftwerk. Aber egal. Von "Das Ufer" bis "Vertrauen" spielt die wichtige Musik, und die ist auch nach 25 Jahren klasse.Hellmuth Schomberg, www.matucana.de
GEISTERFAHRER -"Schatten voraus" (CD)
Nach all den Jahren scheint das Interesse an den dem doch recht eigenen Sound der hanseatischen GEISTERFAHRER wieder neu entfacht, denn neben einer neuen (und doch alten) Single auf NLW, so wie der Wiederveröffentlichung des ersten Matthias Schuster-Albums "Atemlos" mit reichlich Bonus-Material dort, ist ja erst kürzlich auch eine umfassenden Best Of-CD bei Onomatopop erschienen. Plastic Frog Records hat sich nun dem ersten wie legendären Album "Schatten voraus" der nicht zu unrecht als "Godfathers Of German Gothic" bezeichneten GEISTERFAHRER angenommen, dieses ordentlich geremastert und mit 6 Bonus-Tracks angereichert. Vergleichbar ist der düster-kühle und minimal-klirrende Sound der GEISTERFAHRER mit dem der frühen FEHLFARBEN, nur eben wesentlich kälter und rauher.
"Schatten voraus" ist ein authentisches Dokument einer Zeit, in der die Bundesrepublik Deutschland zwischen Terror-Paranoia und Aufbruch schwelte, um letztendlich in der bunten Seifenblase der 80er Jahre zu münden. Für dieses Jahr hat das Label übrigens noch die Wiederveröffentlichung der zweiten LP "Fest der vielen Sinne" von den GEISTERFAHRER und einen Tribute-Sampler angekündigt. Über www.plasticfrogrecords.de ist "Schatten voraus" für einen äußerst moderaten Preis erhältlich und die Jungs freuen sich bestimmt auch über Vorbestellungen der angekündigten Veröffentlichungen. (M.F.)
Marco Fiebag, Black Magazine, http://www.blackmagazin.com
GEISTERFAHRER Schatten voraus CD (Plastic Frog Records 2005)
L’etichetta amburghese Plastic Frog Records si fa patrocinatrice di questa interessante iniziativa, concretizzatasi nella ristampa di “Schatten voraus”, originariamente pubblicato su vinile nel lontano 1980, obscura opera dei suoi concittadini Geisterfahrer. Per la prima volta, enfatizza la spartana infosheet, ci viene offerta l’opportunità d’ascoltare queste dieci tracce, abbinate a ben sei bonus, e non a caso ho fatto uso poc’anzi dell’aggettivo obscuro, in quanto le composizioni sono tutt’altro che solari essendo caratterizzate da una plumbea cupezza, in parte accentuata dalla non proprio limpida registrazione la quale se non altro mantiene intatta la sensazione di trovarci dinanzi ad una polverosa riesumazione dal remoto passato. Post-punk darkeggiante ed enigmatico, sostenuto da uno strumentismo scarnificato e ridotto all’essenziale e da una voce che potrebbe trovare riferimenti nel Peter Murphy più ermetico e sofferente, ed una a tratti latente, altri manifesta vena industrial ossequiante Einsturzende Neubauten, pertanto non aspettatevi anthems od aperture melodiche, primeggiando un’indefinita aura di tetraggine, addensandosi a tratti fino a determinare una sensazione di soffocamento e di dolore. Un’opera dark nella più ampia accezione del termine, che conserva il suo valore intrinseco nel senso stesso dell’operazione di rinvenimento. Maggior dinamismo si rivela in alcune delle tracce aggiunte, come in “Unterwelt”, ove prevale come sempre l’interpretazione angosciata del poco espressivo singer, in questo caso sostenuto comunque da un deciso accenno di ritmo, mentre la vena più propriamente punkeggiante del quartetto affiora decisa nei brani tratti da esibizioni live, a proposito dei quali non vengono comunque forniti ulteriori ragguagli. Assolutamente sconsigliato ai cultori della new-wave più danzereccia e disimpegnata, “Schatten voraus” potrebbe riservare più d’una soddisfazione a quanti sono alla ricerca di testimonianze provenienti da una scena all’epoca già fertilissima come quella tedesca. Unica riserva la qualità sonora non propriamente eccelsa, ma probabilmente di più non si poteva fare!
Hadrianus
VERSACRUM, Online-Mag
GEISTERFAHRER
Schatten voraus CD
Die Wiederveröffentlichung eines deutschen Underground-Klassikers.
Bereits 1980 veröffentlichten die Geisterfahrer ihr erstes Album „Schatten voraus“, welches heute, 26 Jahre später, von Plastic Frog Records inklusive 6 Bonus-Tracks wiederveröffentlicht wird. Aus heutiger Sicht ist es schon fast gespenstisch, was für eine Dynamik in den einzelnen Songs dieser Band steckt. Auch wenn Vergleiche mit anderen Bands nicht immer angebracht sind, muss man sagen, dass sich die Geisterfahrer in Bezug auf ihre damaligen Mitstreiter Joy Division in nichts nachstanden. Denn solch abgrundtief düsteren und zugleich zauberhaften Songs wie „Das Haus“ und „Schatten“ zählen zu den (von vielen noch unentdeckten) absoluten Klassikern dieses Genres. Das Album lebt nicht nur vom eigenwilligen Sound, auch ihre anspruchsvollen, schon fast lyrischen Texte machen „Schatten Voraus“ zu einem kleinen Meisterwerk.
http://www.versacrum.com/musica/recensioni/rec200601/index_html?query_start=21
musique deluxe, by Matthias Bischoff
GEISTERFAHRER
Schatten voraus CD
Das düstere erste Album der deutschen New Wave Band GEISTERFAHRER ist erstmals auf CD erhältlich. "Schatten voraus" war vielleicht eine der englischsten deutschen Platten der Zeit und - wenn noch nicht absolut originär, dann zumindest ein toller Ausblick auf ihre legendäre zweite Platte "Fest der vielen Sinne". Fünf (eigentlich 6, plastic frog) bislang unveröffentlichte Stücke aus dieser Zeit ergänzen diese schöne Veröffentlichung.
http://www.musique-deluxe.com/html/geisterfahrer_schatten_voraus.html
Kölner Illustrierte, by Christian Meyer
DER THERMOGRAPH
BEI RUTH CDR
Das volle 80er-Underground-Disko und NDW-Feeling verbreite DER THERMOGRAPH (www.plasticfrogrecords.com) auf seiner ersten 4--Track-Demo-CD. Humorvolle, leicht naive deutsche Texte voller Doppeldeutigkeiten. Alles passt!
Eigentlich müsste das eine klassische Maxisingle geben, in 300er Auflage und schickem Cover, aber sowas wird heute ja nicht mehr produziert. Stattdessen geraten solche Perlen auf eine schäbbige CD-R aus dem Baumarkt und verschwinden dann irgendwann im Regal. Gibt es denn niemand da draußen, der ein Erbarmen mit solchen hoffnungsvollen Musikern hat? - Würde sehr gut auf Kernkrach passen und Menschen, die jetzt noch wissen wovon ich rede, sollten sich nicht scheuen dieses Bandprojekt direkt zu kontakten. (18:14) (8)
OX-FANZINE, written by CASI
GEISTERFAHRER
Schatten voraus CD
„Das Debut einer der einflussreichsten NDW-Bands endlich auf CD. Wir schreiben das Jahr 1980: Punk und New Wave sorgen in der Popmusik für frischen Wind. Auch in Deutschland machen junge Menschen Musik, gehen eigene Wege, singen deutsch, und schnell wird dieses Phänomen Neue Deutsche Welle genannt. In Hamburg macht die Band Geisterfahrer von sich reden und veröffentlicht zu Beginn des Jahres ihre Debutsingle als erste Platte auf Alfred Hilsbergs ZickZack-Label. Im Herbst erscheint bei der Konkurrenz, einer Art Indielabel der Phonogram, ihr Debutalbum Schatten voraus. Obwohl stark von britischen Vorbildern, namentlich Joy Division, beeinflusst, gelingt es Geisterfahrer, einen eigenen Sound zu entwickeln. Angefeuert von Elektronik, Gitarre, Bass und Schlagzeug, geben sich „Sounds“-Schreiber Hans Keller, der spätere „Spex“-Mitbesitzer und Plattenladenbetreiber Michael Ruff, Matthias Schuster und Jürgen Weiss mal düster-depressiv, mal wütend, vor allem aber unterkühlt. „Sounds“ schrieb damals: „Endlich mal eine Gruppe, deren Musik keinen penetranten Marschrhythmus einhängt, wie bei vielen deutschen Neutönern.“
Jetzt kann das Urteil mit der um 6 Bonustracks ergänzten CD überprüft werden“
MUSIK EXPRESS, Januar 2006, Jan Ole Johnk
GEISTERFAHRER
Schatten voraus CD
www.plasticfrogrecords.com
“Sehr schön, die “Selbermachen-Geister³ oder Nachwirkungen der NDW haben hier wieder ihre Hände mit im Spiel gehabt, denn so langsam kommen sie aus ihren warmen Wohnstuben gekrochen. Genau die, die damals diese Musik geliebt haben, heute immer noch lieben und jetzt die nötigen finanziellen Möglichkeiten und das Herz haben solche Musik der drohnenden Vergessenheit zu entreissen. PlasticFrogRecords ist ein typisches Fan-Label und natürlich veröffentlicht Mann die Platten, die sein Leben entscheidend geprägt haben.
- Wir sind zurück im Jahre 1980 und GEISTERFAHRER veröffentlichen ihr Debüt. Nach über 25zig Jahren ist der Platte immer noch ihre Energie und Spontanität anzuhören, was die nicht ganz unvorbelasteten Musiker dazu trieb der normalen Rockmusik den Rücken zu kehren um endlich die nächste Stufe der musikalischen Evolution einzuläuten. Punkmusik, neue deutsche Texte, eine große Portion Experimentierfreude und gar keine Angst vor neuen Klängen liess damals eine extrem abwechslungsreiche Band entstehen, die immer konsequent und unbeirrbar ihre Ideen umsetzte und sich uneingeschränkt in alle Richtungen vortastete. - Das was den heutigen Bands einfach fehlt: Anstatt sich schon vor der ersten Probe festzulegen wie die Musik klingen soll und das Band-Shirt aussehen muss, freute man sich etwas zufällig entdeckt zu haben und integrierte es sofort in seine Musik. Grenzenlos und Uferfrei! Deshalb klingt diese Produktion, aktuell überarbeitet von M. Schuster himself, auch heute noch so kreativ, frisch und wegweisend.
Selbstverständlich gibt es auch sechs unveröffentlichte Bonustracks und die ausführlichen Linernotes können auf der Labelseite abgerufen werden. Erwähnen soll ich noch, dass P.F.R. auch die zweite GEISTERFAHRER Platte “Fest der vielen Sinne³ im nächsten Jahr wiederveröffentlichen wird. Bittedankeschöner...“ (53:35)
OX-FANZINE No.64, written by CASI
K.ROTTE
SENSUALITY CDR
K.ROTTE ist das aktuelle Projekt des Musikers, der uns mit seiner 80er Jahre Band Dead Curtis und der CD „Aussichtslos“ ja schon schöne Erinnerungen an den Sound von Joy Division zurück gebracht hat. Mit „Sensuality“ gibt es nun eine knapp 35minütige CD mit hauptsächlich elektronischer Musik. Die meisten der 24 Stücke sind natürlich sehr kurz, bis hin zu wenige Sekunden langen Geräuschen. Stilistisch geht es quer durch den Garten, von Techno-Anleihen bis hin zu wavigen Sounds und experimentellen Fragmenten. Mir scheint es so, dass manche Stücke noch eher Ideen sind, als ausgearbeitete Songs. Die Ideen sind allerding schon gut und die wenigen richtig kompletten Songs zeigen auch schon deutlich, was man erwarten darf. „Hurtful Hand“ ist zum Beispiel ein etwas hektischer Electro-Track, der auch tanzbar ist. „Other Side“ ist dunkel, fast schon Filmmusik-artig und von Stimmsamples durchsetzt. „Stars“ ist treibender Electro-Wave, „Kidney Pie“ bietet guten Technobeat, „Mc Donalds On Mars“ klingt wie die Untermalung zu einem Computerspiel und „Back To The Moon Part VII“ ist fast schon Minimal-Electro. So könnte man zu jedem einzelnen Titel etwas assoziieren.Mich würde bei einigen Tracks interessieren, was daraus noch werden kann. Da K. ROTTE an einem Projekt (DER THERMOGRAPH) mit Matthias Schuster (Geisterfahrer, Bal Paré etc) arbeitet, wird man einiges vielleicht in anderer Form noch einmal wieder hören. (A.P.)
BACK AGAIN, by Alexander Pohle
DEAD CURTIS
AUSSICHTSLOS CDR
DEAD CURTIS? Nie zuvor gehört, aber das muss ja nichts heißen. Der Bandname deutet schon darauf hin, hierbei handelt es sich um Gothic(-Rock), wobei vor allem der zweite Teil des Namens auf das große Vorbild Joy Division verweist.Die Aufnahmen auf dieser CD-R stammen von Mitte der 80er Jahre und wurden offenbar ohne großen technischen Schnick Schnack im Proberaum aufgenommen. Das heißt zum einen zwar, dass die Soundqualität recht durchwachsen ist, zum anderen aber auch, dass hier eine sehr authentische Atmosphäre rüber kommt, die durchaus zu fesseln vermag. An DEAD CURTIS war Klaus Weinrich (K.ROTTE) beteiligt, der seit ewigen Zeiten im musikalischen Underground in zahlreichen Bands und Projekten zugange ist. Nun hat er offenbar damit begonnen, seine alten und auch neue Aufnahmen unter verschiedenen Namen auf CD-R zu bannen und ich bin sicher, dass es da eine ganze Menge unentdeckter Perlen gibt.DEAD CURTIS haben einen Sound, der dem Geiste von Joy Division (gewollt) nahe kommt. Da werden natürlich auch Klassiker wie Joy Divison´s „In A Lonely Place“ (erst später von New Order aufgenommen), Bauhaus´ „Crowds“ und New Order´s „Blue Monday“ gecovert und auch andere Songs wie „Where Should He Been“ bieten klare Joy Division-Zitate. Kern der CD-R ist aber der Titelsong „Aussichtslos“, den es gleich in vier Mixen zu hören gibt, die sehr unterschiedlich von schräg-punkig bis „curig“ klingen. Alleine dieser Song, qualitativ gut im Studio aufgenommen und als Single veröffentlicht, hätte damals das Zeug zu einem kleinen Szenehit gehabt. Neben den Joy Division-Anklängen, die zugegebenermaßen übermächtig sind, gibt es aber auch Einflüsse aus Depro-Punk und Gothic-Rock zu hören, wobei vor allem ersteres natürlich gerne mit EA80 in Verbindung gebracht wird...und da ist man von der Wahrheit gar nicht so ganz weit entfernt, denn Klaus hat Mitte der 80er hin und wieder Kontakt mit den Möchengladbachern.Wer auf finsteren Wave-Sound mit Depressions-Garantie steht und sich an monotonen Schlagzeugrhythmen und leidendem Gesang ergötzen kann, sollte hier mal ein Ohr riskieren. Trotz des unterdurchschnittlichen Sounds wird wie bei kaum einem der unzähligen Joy Division-Epigonen hier die Stimmung des Originals getroffen. Mich fesselt es irgendwie. (A.P.)
